Zwischen Hoffnung und Melancholie – Mac Millers posthum veröffentliches Album Circles

von am 19.01.2020

Von Lisa Strömsdörfer.

Am 7. September 2018 starb der Rapper Mac Miller im Alter von 26 Jahren an einer versehentlichen Drogen-Überdosis. Jetzt erscheint posthum ein neues Album.

Mit dem 2018 erschienenen Album Swimming hatte Mac Miller wohl das beste Album seiner Karriere hingelegt. Nach der Trennung von Ariana Grande, die den Rapper hart getroffen hatte, durchläuft er auf Swimming einen Erneuerungsprozess. Mac sammelt die Trümmer seiner Vergangenheit zusammen und baut sie, unterlegt von smoothen Beats, zu einem Album zusammen. Es geht um seelische Altlasten, um ihre Aufarbeitung. Es geht um Entscheidungen die bereut werden, aber auch um Lichtblicke in der Zukunft. Um ein Leben, das gelebt werden will. Auf dem Track Selfcare heißt es: “Self care, I’m treating me right/ Hell yeah, we gonna be alright.” Um so tragischer wirkt sein frühzeitiger Tod. Nach Swimming, der ersten Installation auf einer Reise zur Selbstfindung, bricht Macs Weg auf einmal ab.

Lofi Beats und melancholische Texte

Mit dem posthum veröffentlichen Album Circles findet seine Karriere nun aber doch noch einen sanften Abschluss. Vor seinem Tod hatte Mac Miller mit dem Produzenten Jon Brion an neuen Songs für das Begleitalbum von Swimming gearbeitet. Brion machte es sich zur Aufgabe, das Projekt fertigzustellen und zu veröffentlichen. Dabei herausgekommen sind zwölf ruhige Titel, über Lofi Beats rappt und singt Mac mit typisch brüchiger Stimme melancholische, aber auch versöhnliche Texte. Indie-folk artige Gitarrenklänge wabern durch das Album und heben den immer präsenten Blues in den Songs des Rappers hervor. Zwischenzeitlich findet man auch funkige Nuancen und das ein oder andere Sampling wieder.

And I cannot be changed, I cannot be changed, no/ Trust me, I’ve tried/ I just end up right at the start of the line/ Drawing circles
– Mac Miller in dem klanglich tiefen ersten Titel von Circles.

Sofort wird die Stimmung für das restliche Album gesetzt. Wundervoll entspannte Vibes spielen über Zeilen, zwischen denen man stets unweigerlich das Ende mitliest. Der Kreis öffnet sich eben nicht mit Circles, er schließt sich. Das wird auch besonders auf Good News deutlich, der ersten Single , die von Circles veröffentlicht wurde. Bei Lines wie: “Why can’t it just be easy?/ Why does everybody need me to stay?” oder “Well, so tired of being so tired/ Why I gotta build something beautiful just to go set it on fire?” muss man ganz schön schlucken. In “Surf” schlägt Mac allerdings wieder einen optimistischen Ton an: “And the days, they go by/ Until we get old/ There’s water in the flowers, let’s grow.” Circles bettet die Ambivalenz zwischen Hoffnung und Dunkelheit in ein würdiges finales Werk ein, das mit dem Song Once a day endet. “I wonder what they know/ I wonder if they ever even cared at all”, fragt Mac Miller sich in einem bittersüßen minimalistischen Track.

Circles: warmherzig, zerbrechlich, ehrlich

Die Reaktionen auf das Album beantworten diese Frage: Yes, they care. Die Anteilnahme ist noch immer sehr groß und so haben unzählige Fans den Release des Albums emotional und liebevoll kommentiert. Circles ist ein warmherziges, zerbrechliches, ehrliches Album. Es fühlt sich keine Sekunde an, wie der Versuch, nach dem Tod eines Künstlers noch mal Profit zu schlagen, sondern vielmehr wie eine Notwendigkeit. Es hinterlässt den unerfüllbaren Wunsch nach mehr, aber findet dennoch einen zufriedenstellenden Abschied, sofern das denn überhaupt möglich ist.

 


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