Was weißt du von Demut? – Interview mit Rapper Teo

von am 23.02.2019

Ein Interview von Peter.

Am 11. Januar dieses Jahres erschien mit „Status Quo“ das Debütprojekt des Rappers Teo. Teo der mit bürgerlichem Namen Sertan Gümüs heißt, studiert derzeit Deutsch auf Lehramt an der Universität Bayreuth. Seine Musik produziert der 20-Jährige weitestgehend selber und in Zusammenarbeit mit einigen Freunden veröffentlichte er bereits zwei Musikvideos. In seinen Texten beschäftigt er sich weniger mit Rollis, Rarris und VVS, sondern wagt einen differenzierten Blick auf derzeitige Entwicklungen im Deutschrap, aber auch auf seine eigene Arbeit als Künstler. Neben 808 Drums, die „wie ‘ne Blähung“ klingen und einem Feature des Rappers Desto, lassen sich auf den vier Tracks von Status Quo viele musikalische und lyrische Finessen finden, die auch den Kennern des etablierten Hip-Hop Magazin „splash! Mag“ nicht verborgen blieben. Aus einer Auswahl von 200 Einsendungen wählten sie die Single „Hova“ in die engere Auswahl von fünf Rappern, die jetzt um die Gunst der Hip-Hop-Community buhlen und damit die Chance auf einen Spot bei der Tapefabrik Anfang März erhalten. Diese beschreibt sich selber als Festival für „Vinyljunkies und Beatfanatics. Fans, die auf Sellout scheißen – mit Respekt vor Skills. Rapnerds die ständig neue Mucke entdecken wollen und wegen des Vibes kommen – nicht den großen Namen.“

Über die Chance bei einem solchen Festival aufzutreten, seine Musik, das Schaffen als Künstler und warum eventuell bald Haftbefehl im Deutschunterricht behandelt wird, haben wir mit ihm im Interview gequatscht.

Du hast ja sehr lange an „Status Quo“ gearbeitet, hattest aber vor ein paar Jahren schon ein paar Auftritte. Worin lagen die Schwierigkeiten beim Produzieren und was war der Grund, dass es dann doch relativ lange gedauert hat?

Wenn du den ersten Auftritt beim Bürgerfest nimmst, da war ich ja erst 17 und da ist man eben noch nicht so zielstrebig. Zudem habe ich nicht konstant Musik gemacht. Mit dem Produzieren zum Beispiel habe ich erst im September 2017 begonnen und angefangen mir das alles beizubringen. Das hat dann einfach ein bisschen gedauert, bis ich so meinen eigenen Workflow gefunden habe.

Du hast ja früher auch Songs gecovert. Hattest du damals schon vor eigene Tracks zu machen oder fandest du es einfach cool ein paar Punchlines mitzuspitten?

(lacht) Kam das so rüber, dass ich so der Cover-Rapper war?

Ja, schon.

Krass, gut zu wissen! Ich habe mit 12, 13 angefangen Texte zu schreiben und eigentlich sollte das Chefket Cover damals einfach nur ein smarter Promomove werden: ‚Guckt Leute mich gibt es und hier bin ich.‘ Wir haben dann spontan dazu ein Video gedreht und hochgeladen. Danach wollte ich eigentlich neue Songs rausbringen, aber daran ist es gescheitert, da kam halt nichts. Wäre aber auch sehr peinlich, hätte ich damals mit 17 das rausgebracht, was ich zu dem Zeitpunkt gemacht habe.

Also kann man sagen, du bist jetzt zufrieden und hast das erreicht, was du damals schaffen wolltest?

 Ja. Natürlich sagt man immer nach ein paar Wochen, man hätte hier und da noch was verbessern können, aber alles in allem bin ich doch sehr zufrieden – vor allem was die Produktion angeht.

Hast du dann auch bewusst weniger Songs genommen um Qualität vor Quantität zu stellen?

Ja, gerade Beats habe ich noch massig auf der Festplatte liegen. Was Texte angeht, bin ich ehrlich gesagt etwas faul geworden. Da sind ein paar Ideen auf der Strecke geblieben, aber von 12 fertigen Songs sind dann eben vier auf „Status Quo“ gelandet.

Würdest du „Status Quo“ als EP oder als Album bezeichnen?

Lass es uns Projekt nennen. Das Projekt „Status Quo“. Ich habe das auch schon auf einem Auftritt erklärt: Es ist zu gut, um es EP zu nennen, weil wenn die Leute „EP“ hören, ignorieren sie es, aber ein Album mit vier Songs ist auch Quatsch. (lacht)

Wie kommt es zu dem Titel?

Das ist schon so ein generischer Titel eigentlich, könnte auch von jedem anderen Rapper sein. Aber für mich beschreibt Status Quo einfach den Zustand, in dem ich mich seit ein, zwei Jahren befinde. Das kann jetzt meine Unzufriedenheit in dieser Geisterstadt sein, oder die Selbstgespräche die bei Monolog stattfinden, aber auch „Hova“, der Status Quo von Deutschrap.

Auf Hova sagst du, du bist „nicht der achtzigste Spast der jetzt Afrotrap macht“. Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Früher wollte ich sein wie andere und habe mich sehr auf Vorbilder fixiert, aber das hat mich persönlich nur ausgebremst. Mittlerweile lehne ich dieses Konzept ziemlich ab. Wer mich aber immer noch inspiriert ist „Die Achse“. Deren Beats sind so brachial, haben eine unfassbare Power und sind trotzdem so on point. Ansonsten natürliche viele Einflüsse aus dem Rap, aber auf Deutsch vor allem „Morten“ und „Mauli“

Das ist ja jetzt nicht gerade der Mainstream Rap, was stört dich denn am derzeitigen Deutschrap?

Puh, ich weiß ja nicht wie viel du jetzt schreiben willst (lacht), das auf den Punkt zu bringen ist nicht so easy. Der Markt ermöglicht einfach vielen ein Stück vom Kuchen, aber die Musik wird größtenteils halt leider nicht besser dadurch. Klar ist Deutschrap groß und super divers, aber im Mainstream findet eben leider nur eine Richtung statt.

Auf deinen Texten beschäftigst du dich viel mit Ego und Demut, was verbindest du persönlich damit?

Den Song „Demut“ habe ich mit 17 geschrieben und das war zu einer Zeit, in der ich sehr hohe Ansprüche an mich selbst hatte und daran gescheitert bin. Und auf der anderen Seite das Gegenstück, die Rapper, die auf ihren Text mit Geprotze ihre Komplexe kompensieren wollen.

Ich hoffe auf „Status Quo“ eine gesunde Mitte gefunden zu haben, zwischen komplett Abschweifen und einem gesunden Ego.

Anfang März lädt die Tapefabrik in den Schlachthof Wiesbaden ein, um für einen Abend die Wurzeln der deutschen Hip-Hop-Kultur zu zelebrieren. Neben Beat-Battles, Cyphers und Auftritten von Untergrund Künstlern, lost das Hip-Hop-Magazin „splash! Mag“ einen Slot für einen, noch unbekannten, Rapper aus. Hier hat sich Teo beworben und sich gegen 200 Mitbewerbern behauptet.

Hättest du damit gerechnet bis in die Top Five zu kommen?

Einerseits fand ich es nicht abwegig, auf der anderen Seite war mir nicht bewusst, dass sich tatsächlich über 200 Leute beworben hatten. Und klar will ich das jetzt gewinnen. Mit diesem Rückhalt hatte ich nicht gerechnet und es haben sogar Leute geteilt, von denen ich gar nicht wusste, dass sich mich auf dem Schirm haben, da will ich das Ding jetzt natürlich holen.

Wie geht es dann weiter für dich? Du studierst ja Deutsch auf Lehramt. Gibts dann bei dir Rap im Deutschunterricht?

Ich werde einfach Best of Both Worlds und lass die Kinder Haftbefehl Texte analysieren.

Spaß beiseite, ich habe noch absolut keine Ahnung wie sich das alles entwickelt. Zum einen habe ich schon echt viel Zeit und Geld reingesteckt, auf der anderen Seite will ich nicht von der Musik leben, weil ich diese finanzielle Abhängigkeit nicht damit verbinden will. Aber ich könnte mir schon vorstellen das mein Leben lang zu machen.

Eine Frage zum Schluss. Wie kommst du zu deinem Künstlernamen?

Es gibt einen türkischen Sänger, den ich als kleines Kind anscheinend immer gepumpt habe — Teoman. Und mit 14 hatte ich einen melancholischen Flashback und fand Teoman als Name einfach geil. Dann musste ich mich nur noch entscheiden ob Teoman oder Teo. Und hier bin ich – Teo.


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