Universität Passau verliert ihr Gesicht

von am 05.04.2021

Systemadministratoren sind die stillen Helden der Krise, aber nicht Thomas Hackl. Als Sprachrohr der Uni Passau wurde er bekannt, durch sein Pseudonym Hacklroot wurde er zum Meme. 

Valentin Peter

Wo sich an der Universität Passau vor einem Jahr noch Studierende in überfüllte Räume drängten, herrscht jetzt Stille. Im Serverraum dagegen laufen die Rechner auf Hochtouren. 5.000 Studierende versuchen um Punkt 10 Uhr, den richtigen Zoom-Link zu ihrer Vorlesung im Studierendenportal Stud.IP zu finden. Es ist Semesterbeginn in Passau und alles hängt an Thomas Hackl. Er ist der Systemadministrator der Universität. Der Mann im Hintergrund, der dafür sorgt, dass das Online-Konzept der Universität aufgeht. Ohne ihn würde hier wenig funktionieren. „Ein guter Administrator fällt nicht auf, solange alles funktioniert“, erklärt er.

Thomas Hackl Root

Thomas jedoch fällt auf – aber nicht, weil er ein schlechter Administrator ist, sondern weil er campusweit bekannt ist. Zu seiner Popularität hat die Corona-Pandemie beigetragen: Beinahe täglich verschickt er im Auftrag der Universitätsleitung Updates über die aktuelle Situation, immer signiert mit dem Namen „Thomas Hackl Root“. Wobei der Begriff Root seine Position als Administrator markiert. Aber schon vor Corona kannte man Hacklroot, wie er von den meisten Passauer Studierenden genannt wird. Stattet er dem Passauer Volksfest einen Besuch ab, wird er von Studierenden angesprochen, sie wollen mit ihm anstoßen. Bei einer Internet Umfrage mit welchem Promi die Studierenden eine Nacht verbringen würden, gewinnt Hacklroot.

Wie es sich für jede bekannte Person im Jahr 2021 gehört, hat er auch einen Podcast, indem er mit einem guten Freund über nerdige Themen redet. Sein Instagram-Account hat mittlerweile über 1000 Follower, der Großteil davon Passauer Studierende, die ihn auch regelmäßig kontaktieren. Über die Jahre „sind Freundschaften entstanden, die heute noch bestehen“, erzählt Thomas.

„Ich bin auch Mutti für den Campus“

Vor allem in Zeiten der Pandemie, in denen Studierende immer mehr den Bezug zu der eigenen Universität verlieren, braucht es Leute wie Thomas, die nahbar sind, die sich, wie die Studierenden, auf den gleichen sozialen Netzwerken herumtreiben, die auch mal locker sein können. „Ich bin auch Mutti für den Campus und nicht nur da, um irgendwas zu programmieren“ grinst er, wenn man ihn nach seiner Rolle fragt. Für Benjamin Hartwich, einen guten Freund und ehemaligen Arbeitskollegen, ist es ungewöhnlich, dass „ein Informatiker, der Software programmiert und Standard-Mails verschickt, so viel Anerkennung für seine Arbeit bekommt. Das hat Thomas besonders gefreut“.

Als der gebürtige Niederbayer vor gut 15 Jahren sein Bachelorstudium an der Uni Passau beendet, startet er an der Universität in das Arbeitsleben. Im neu gegründeten Intelec-Projekt, welches das E-Learning Angebot am Campus aufbauen und vereinheitlichen soll, entdeckt Thomas seine Faszination für Online-Lehre. Damals sind an der Uni Passau fünf Leute in diesem Bereich angestellt. Ende März wird es keiner mehr sein.

Hacklroot verlässt die Uni Passau

Als erstes tauchte das Gerücht auf der Studierenden-App Jodel auf: Hacklroot verlässt die Uni Passau. Wochen später bestätigt er das schließlich in seinen Podcast. Die Meldung kommt für viele unerwartet, besonders jetzt wo die Online-Lehre, das Einzige ist, was von der Uni Passau bleibt. Thomas geht, obwohl er hier eigentlich seinen Traumjob gefunden hatte und hier auch in Rente gehe wollte. „Stud.IP an der Uni Passau ist doch irgendwie mein Baby“.

Aber wirklich Glücklich war er zuletzt nicht mehr im Beruf. Mit der Entscheidung hat er lange gerungen, aber es haben sich dann „organisatorisch die Dinge geändert und ich konnte allgemein die Arbeit dann nicht mehr so machen, wie ich es eigentlich für sinnvoll halte“. Zu den genauen Problemen will sich Hacklroot nicht äußern.

IT für Uni nicht wichtig genug?

Jedoch ist Hacklroot nicht der einzige ZIM-Mitarbeiter (Zentrum für Informationstechnologie), der die Uni in den letzten Jahren verlassen hat. Nach Auslauf des Intelec-Projekts wurde das Team immer kleiner. Wurde jemand neues eingestellt, war die Stelle meist befristet.

Verwunderlich bei einer Universität mit über 12.000 Studierenden, in der ohne IT-Services zur Zeit nichts funktionieren würde. Auch Benjamin Hartwich hatte vor vielen Jahren seinen ersten Job an der Uni Passau – auch sein Vertrag war befristet. Aber bleiben wollte er nicht, weil ihm die Stimmung am ZIM nicht mehr gefallen hatte. Seiner Meinung nach kommt der Service für die Studenten zu kurz, weil es um IT-Dienstleistungen geht, aber nicht darum diese mit Lerninhalten zu verknüpfen. Auch Thomas bemängelt, es fehle schon oft an Stellen, um den Grundbetrieb zu sichern, geschweige denn an Stellen, um innovativ zu sein.

Tränen zum Abschied

Beim Unterschreiben der Kündigung ist auch die ein oder andere Träne geflossen. Besonders werde er die tollen Kollegen vermissen. Auch seinen Promi-Status, gibt er zu, habe er „ein bisschen genossen.“ Er ist heilfroh, das er sich im neuen Job auch weiter mit der Lernplattform Stud.IP beschäftigen kann. An der Uni Passau jedoch bleibt Hacklroots Stelle auch nach einer dritten Ausschreibung unbesetzt.


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