Ulrike Meinhof – Die Journalistin

von am 26.10.2016

Die letzten sechs Jahre ihres Lebens prägte die mediale, historische & politische Wahrnehmung von Ulrike Meinhof.

Ulrike Meinhof: Worte als Waffe gegen erstarktem Konservatismus. ©Max Ehlert / DER SPIEGEL

Ulrike Meinhof: Worte als Waffe gegen erstarktem Konservatismus. ©Max Ehlert / DER SPIEGEL

Vom 14. Mai 1070, dem Tag der Baaderbefreiung vom Deutschen Institut für soziale Fragen, bis zu ihrem vermeintlichen Selbstmord am 09. Mai 1976 in Stammheim, war sie Mitglied der ersten Generation der Roten Armee Fraktion und verantwortlich für Raub- und Banküberfälle in der Bundesrepublik, sowie Bombenanschläge auf US-Botschaften und Bürogebäude des Springerkonzerns. Gerne vergessen wird jedoch die Journalistin Ulrike Meinhof, die in der Zeitschrift „konkret“ zu einer der wichtigsten Stimmen der linken Szene der 1960er wurde.

Vom Schlimmsten unter ihnen soll die Rede sein, von dem Entwurf zur Ergänzung des Grundgesetzes »Für den Fall des Notstandes«“, schreibt Ulrike Meinhof in ihrer Kolumne im Frühjahr 1960. Ein paar Jahre später soll genau dieses Notstandgesetz, in denen vor allem, aber nicht nur, junge Studenten Parallelen zu Art. 48 der Weimarer Verfassung sahen, Anlaß für die Proteste sein, die später zur Studentenbewegung wurden. Versuchten die reaktionären Kräfte, viele mit NS-Vergangenheit, wieder auf legalem Wege die Demokratie abzuschaffen? Diesmal wollte man nicht zusehen, wie sich der Faschismus in Deutschland breit macht. Der Antifaschismus und -militarismus spielte eine große Rolle in Meinhofs Jugend. Die 1934 in Oldenburg geborene Journalistin ging aktiv gegen die Wiederbewaffnungsdebatte unter Adenauer vor, nahm an Demonstrationen teil und schrieb Artikel. Die gläubige Protestantin trat sogar der in der Bundesrepublik verbotenen KPD ein – ein Widerspruch, wie so vieles in ihrem Leben.

Große Sympathien bekam die sozialistische Bewegung in den 60er Jahren, Meinhofs Kolumnen begleiten die Geschehnisse. In einem ihrer bekanntesten Texte „Napalm und Pudding“ verteidigt sie das geplante Puddingattentat der Kommune I auf US-Vizepräsident Humphrey: „Nicht Napalmbomben auf Frauen, Kinder und Greise abzuwerfen, ist kriminell, sondern dagegen zu protestieren.“ Meinhof moralisiert wie keine andere, sie ist das moralische Gewissen der Linken – bis zum 02. Juni 1967.

Der Tag an dem Benno Ohnesorg von dem Polizisten Kuras totgeschossen wurde, stellte nicht nur für die Studentenbewegung  einen Wendepunkt dar, sondern auch für Meinhof. In einer Fernsehdiskussion verteidigt sie die APO. Als 1968 Andreas Baader und Gudrun Ensslin zusammen mit zwei anderen Mittätern ein Kaufhaus in Frankfurt anzünden, empfiehlt Meinhof diesem Beispiel nicht zu folgen, denn es verändere nicht an den bestehenden Verhältnissen, sondern wäre eher tatsächlich der Wirtschaft dienlich, jedoch zitiert sie Fritz Teufel mit dem Satz: „Es ist immer noch besser ein Warenhaus anzuzünden, als ein Warenhaus zu betreiben.“

Die studentische Linke beginnt sich in Teilen zu radikalisieren, Meinhof zögert. Sie ist knapp 10 Jahre älter als die Studenten, geschieden und Mutter zweier Kinder. Die Journalistin steckt mit einem Fuß mitten im verhaßten Establishment. Mit dem Medium Film glaubte sie die Leute aufrütteln zu können, ihnen zu zeigen, wie es in der Bundesrepublik wirklich zu geht. „Bambule“ ist ein Film, der die desaströsen Zustände und autoritären Verhältnisse in deutschen Mädchenheimen darstellt. Doch nichts ändert sich.

Als sie sich entschließt bei der Baader-Befreiung mitzumachen und mit dem Sprung aus dem Fenster ihr Leben im Untergrund begann, war auch ihre journalistische Karriere beendet. Eine Karriere, an die viel zu selten erinnert wird und auch eine Persönlichkeit, die viele vergessen zu haben scheinen, nämlich Ulrike Meinhof, die Journalistin.

 


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