“Über den Dingen” – Moop Mama in Passau

von am 02.03.2018

Eine Konzertkritik von Tom.

Es ist 21.07 Uhr, die zehnköpfige Urban-Brass-Band Moop Mama hat gerade ihre ersten Songs beendet. Keno, MC der Band, blickt in die Menge. „Ihr seid ja gar nicht mal so viele“, bemerkt er. Um gleich hinzuzufügen: „Dann habt ihr mehr Platz für die Moshpits!“. Tatsächlich ist die Passauer X-Point-Halle an diesem Abend nur etwa bis zur Hälfte gefüllt, was der Leistung der Band auf keinen Fall gerecht wird. Doch weder Band noch Publikum scheint das zu stören. Es ist eine intime Party mit ungewohnt viel Platz.

Das Isarufer als Bühne

Moop Mama traten zum ersten Mal vor ungefähr sieben Jahren einem eher kleinen Publikum in Erscheinung. „Damals waren noch mehr Leute auf der Bühne als im Publikum“, erinnert sich Keno. Moop Mama spielten an den Münchner Isarstränden und in der Stadt kleine Guerilla-Konzerte. Die Band tauchte plötzlich auf, sieben Bläser, zwei Drummer, ein Rapper mit Megaphon, und wurde immer wieder von der Polizei weggeschickt. Ihre erste Platte, „Deine Mutter“, erschien im Jahr 2011. Und wurde bereits zu einem ersten, kleinen Erfolg. Zwei Jahre später folgte „Das rote Album“. Die Band wurde vom Geheimtipp zur angesagten Konzertband. Im vergangenen Jahr waren sie mit ihrem aktuellen Album „M.O.O.P.topia“ auf Tour.

Wenn Musiker zu Rappern werden

Zuerst die beiden Schlagzeuger, dann die Tuba, die Posaunen, die Trompeten und ganz am Schluss der Rapper Keno: Im Stile einer amerikanischen Marching Band oder einer bayerischen Blasmusikgruppe betreten die Musiker die Bühne in der X-Point-Halle. Stück für Stück setzt sich so der Sound der Band zusammen und zeigt sofort seine enorme Breite. Mit zwei ruhigen, nachdenklichen Liedern beginnt die Band das Konzert. Und steigert dann von Song zu Song die Geschwindigkeit und Intensität der Lieder. Es ist ein Stampfen und Dröhnen, wie bei einem Motor eines riesigen Kreuzfahrtschiffs. Mal liefern sich die zwei Trompeten unter lautem Applaus des Publikums einen intensiven musikalischen Wettstreit, mal tanzt die gesamte Band synchron zur Musik, mal singen die Bläser als Background-Chor. „Das ist die Erfindung des Rades“ rappt Keno, während er auf einem kleinen roten Fahrrad mitten auf der Bühne seine Kreise dreht. Mit jedem Song zeigt die Band ihre enorme Spielfreude. Einfache Melodien verwandeln die Musiker in eine Art Blasmusik-Techno. So passt es auch ins Bild, als plötzlich zwei der Musiker ihre Instrumente weglegen und zu rappen beginnen. Das Publikum, das bis zu diesem Zeitpunkt ohne Unterbrechung getanzt hat, hält tatsächlich kurz inne. Es ist ein Moment der Verblüffung, den nur großartige Livebands wie Moop Mama erzeugen können. Denn die Band steht an diesem Abend einfach „über den Dingen“.

 

 


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