Trettmann – #DIY

von am 27.05.2018

Eine Kritik von Tom.

Es gibt hier kaum etwas, das nicht grau ist. Grau ist die Farbe der Betonplatten, die riesige Häuserblöcke formen. Der verblassten Balkone, die früher einmal weiß waren und seit Jahrzehnten dem Wetter ausgesetzt sind. Es ist die Farbe der Menschen, die hier wohnen. So scheint es zumindest. Trettmann, 44, ist in einer solchen Plattenbausiedlung der ehemaligen DDR groß geworden. Der Rapper ist stets mit weißer Kappe und schwarzer Sonnenbrille unterwegs, das Albumcover ist ebenfalls in schwarz und weiß gehalten. Die erdrückende Farblosigkeit von damals hat den gebürtigen Chemnitzer geprägt. Und genau das wird in seinem zweiten Album „#DIY“ deutlich.

 

Seiner Zeit voraus

Mit Trainingsanzug, Tennissocken und Sneakers tanzte Trettmann damals unter der Karl-Marx-Statue mitten in Chemnitz. Um der Eintönigkeit der heimischen Plattenbausiedlung und des Ostens zu entkommen, hörte er West-Musik. Später sang er auf Reggae-Beats. In sächsischem Dialekt, noch bevor Musik in Mundart ihren großen Hype hatte. Trettmann war seiner Zeit voraus und trotzdem immer wieder totgesagt. In die Welt des jugendlich erscheinenden Cloudrap bringt er nun Reife und Tiefgang.

 

Zwischen Autotune und Reggae

„Grauer Beton“ und „Geh ran“ lassen den Zuhörer emotional, fast aufgewühlt zurück. Mit einfacher Sprache erzählt Trettmann, wie Neonazis damals leichtes Spiel hatten („Seelenfänger streichen um den Block und / machen Geschäft mit der Hoffnung“). Er spricht über einen Freund, der Selbstmord beging. Seine Vergangenheit verschwimmt mit der Gegenwart. Gemeinsam mit Rapper Gzuz besingt Trettmann in „Knöcheltief“ die Genugtuung als Star der Moments. Dabei ist Trettmann, wie er auf dem Album zeigt, viel mehr als das. Gekonnt verschwindet Trettmanns Stimme hinter einer Maske aus Autotune. In den Beats sind seine Wurzeln aus Reggae und Dancehall noch immer präsent. Der sonst so grellen Entwicklung im Deutschrap setzt er ein wenig Ruhe und Blässe entgegen. Musikalisches Können lässt sich jedoch nicht immer in wirtschaftlichem Erfolg messen. Nicht so bei Trettmann. Das im eigenen Label produzierte Album war bereits mit den Plattenverkäufen finanziert, und erreichte in den deutschen Charts Platz 17. Völlig zu recht.

 

Note

1,3

 


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