Spiel mir das Lied vom Taubertal

von am 23.08.2018

Ein Beitrag von Valerie Müller und Ann-Kathrin Pfahler:

Heiß ist es. Sowohl auf dem Berg, als auch im Tal. Schatten spenden nur die großen Bäume, die am Ufer des Flusses im Tal der prallen Mittagssonne standhalten. Ein scharfer Wind wirbelt Dreck auf und fährt unter die Kleidung der Anwesenden, rauscht durch das aufgeschlagene große Lager, nimmt dort ein Zelt mit, da einen Pavillon und hinterlässt eine kleine feine Spur der Zerstörung. Die Weiten der Festivallandschaft verbrennen unter der langsam herabsinkenden Sonne, welche Stück für Stück zum Tal hinabsteigt. Zelt an Zelt
bevölkern die Besucher die Prärie und harren in ihren Baracken aus, bis sie sich auch auf den beschwerlichen Weg nach unten wagen.
Oben am Berg ist das Wasser knapp. Alkohol ist die einzige Möglichkeit, den Durst zu stillen. Doch die Situation ist trügerisch und der Berg zollt seine Opfer: Nur denen gelingt der Abstieg, die noch einigermaßen fit sind…

 

Zusätzlich erschwert wird die Lage dadurch, dass den Cowboys ihr Fahrwerk verboten wurde…

Angesichts der schier ausweglosen Situation, die einem oben in der Wüste erwartete, fordern besorgte Besucher: Wasser für alle! Ein Glück war
Viva Con Aqua vor Ort.

Wir wagten uns dennoch hoch – ins Lager – und campten in der ersten Nacht zwischen einem rot ausgeleuchteten Techno-Zelt und einer Bude mit
typisch bayerischer Blasmusik. Hier oben herrschte eine ganz andere Welt: Absurd, kurios, völlig losgelöst von allen Normen.
Wir kamen an Anglern vorbei – lustige Typen. Ob sie jedoch jemals einen Fisch fingen, ist bis heute unklar.

Ein Trampolin, ein LKW mit Pool, die Festung der Gaudiband Stand by, die uns nicht nur auf ihre Dachterrasse einlud, sondern auch ein
Ständchen spielte – typisch bayerisch versteht sich – all dem und noch viel mehr begegneten wir.

Zu wissenschaftlichen Zwecken wurden zudem Experimente zur Verbesserung des Bierkonsums durchgeführt, welche jedoch nicht immer ganz so glimpflich ausgingen…

Doch die Wüste hatte noch so viel mehr zu bieten. Erstaunlich, welch fabelhafte Wesen hier anzutreffen waren. Es gab den Wetterfrosch, der für
die exakte Messung der Temperatur sorgte, betrunkene Einhörner kreuzten unseren Weg und oben in den Lüften zogen verspielte Drachen ihre Kreise.

Im Tal betrat man eine komplett andere Welt: Hier hatten die Bands das Sagen. Übergang bildete der Steinbruch, der am Donnerstag zu einer Warm-Up-Party einlud und das restliche Wochenende zur Aftershowparty. Eingeleitet in das Wochenende haben am Donnerstag unter anderem Henning Wehland,
Granada und die Killerpilze. Die österreichische Band Granada überzeugte mit ihrer sonnigen Musik, dem Schunkeln des Akkordeons und natürlich dem unglaublich niedlichen Dialekt. Die Killerpilze hingegen schafften es doch tatsächlich noch, eine ganze Menge Mädchenherzen höher
schlagen zu lassen.

 

Und am Freitag gelang das dann den Beatsteaks.

– aus Berlin!

Zum sechsten Mal treten sie hier auf und haben die Menge wieder fest im Griff. Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß sucht wie eh und je die Nähe zum Publikum und lässt es sich nicht nehmen, Where is my mind zu covern und so für Gänsehautmomente zu sorgen. Grandios!

Kraftklub:
Peng! Peng! Peng! Mit einer Fackel in der Hand steht Felix auf der Bühne, während der Vorhang fällt. Die Band Kraftklub startet ihren Auftritt mit viel Power und fordert auf zu Randale. Heiß geht es her – sowohl auf der Bühne, als auch davor.

…Doch etwas später wird auch für eine kleine Abkühlung gesorgt – Felix überrascht das Publikum mit einem Gartenschlauch. Und natürlich dürfen die charakteristischen Merkmale ihrer Show nicht fehlen: Die Tänzerinnen, Crowdwettsurfen und das Glücksrad sorgen für eine konstante Spannung.
Letzteres bestimmt doch tatsächlich einen Coversong – Schrei nach Liebe (Die Ärzte). Zur Freude eines Zuschauers, der sich auf einem Plakat die
Ärzte sehnlichst herbei wünscht.

Käptn Peng
Hallo Freunde, hallo Feinde, hallo Individuum, hallo Gemeinde!

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi begrüßen ihr Publikum und fordern es sogleich gleich auf, sich einen Namen zu geben. Etwas enttäuscht
müssen sie es fortan „Hildegard und Matthäus“ nennen. Diese Passage ist nur ein kleiner Teil des absurden Gesamtkunstwerks, welches die Band auf
der Bühne absolviert. Ob es die Gespräche mit einer Socke oder das sich abspielende Drama zwischen zwei sich voneinander entfremdeten Füchsen sind– der Käptn stellt die Dinge auf den Kopf, verdreht sie, bringt sie in neue Formen und streift dabei immerzu tiefgründige philosophische Themen,
welche er künstlerisch verpackt. Auch die Menge ist begeistert, tanzt glücklich zu den Beats und möchte die Künstler am Ende gar nicht mehr gehen lassen. Wir haben Robert Gwisdek später aber trotzdem noch auf dem Festival flanieren sehen, wo er sich verträumt durch die Menge treiben ließ.

 

 

Swiss und die Anderen
Zeit für bisschen Pogo!
Zeit für bisschen Pogo!
Bei Swiss und die Anderen bebt die Erde unter tausenden tanzenden Füßen. Staubwolken umgeben die pogende Menge, während auf der Bühne über
Liebe, Hass und die missglückte Welt gesungen wird. Die Band aus Hamburg bringt den Punk mit in den Süden und lässt es sich nicht nehmen, die wilde
Meute vor der Bühne eine Wall of Death bilden zu lassen. Und zum Abschied gibt es, wie nach jeder Swiss-Show, ein schönes Mittelfinger-Bild für
die AFD-Hamburg.
Na logo!

 

Faber
Es ist so schön, dass es mich gibt, du hast Glück, dass du mich triffst…
Die erste Zeile aus „Wem du´s heute kannst besorgen“ trifft die Einstellung, mit der Faber auf die Bühne tritt, recht gut. Lässig steht die Band
umschlungen von Nebel vor einer mystischen Kulisse. Das Publikum, welches größtenteils aus jungen Frauen besteht, hängt an Fabers Lippen, während der Casanova über Liebe, Resignation und zum Teil auch über politische Themen singt. Am Ende seines Auftritts springt er dann sogar mit Gitarre in die Menge und lässt sich von den Mädels umschwärmen….

Marteria
Kommen wir jetzt zu den letzten 20 Sekunden…
Und die gehören ganz Marteria, der mit einem Wahnsinnsauftritt überrascht. Es ist Sonntagabend und man sollte meinen, so langsam ist die Luft
raus. Doch Marteria lässt seine Fans springen und tanzen bis weit hinter auf die Hänge und Ränge. Und als er dann noch durch Casper verstärkt
wird, ist eh niemand mehr zu halten. Zusammen performen sie ihren neuen Song Champion Sound und drehen noch kurzerhand ein Musikvideo.
Ach und eins haben wir definitiv gelernt: Spricht Marteria von 20 Sekunden, verstecken sich dahinter eigentlich 20 Minuten.

Bravourös! Und ein gelungenes, friedliches Festival – nun gut, fast friedlich:
Das Pogen gehört zum Festival, wie das Bier zum Campingplatz. So viel ist sicher. Doch für den richtigen Zeitpunkt gibt es keine Regel. Kein
Wunder, dass zwei Streitlustige bei diesem Punkt aneinandergerieten. Einem der Streithähne schien jedoch der Alkohol etwas zu Kopf gestiegen zu
sein und so biss er etwas zu herzhaft zu, als er die Nase seines Kontrahenten mit seinen Zähnen attackierte.

• Das Wasser war knapp auf dem Taubertalfestival. Einem Besucher schien das aber nicht genug – für ihn galt die Devise: Kein Wasser auf einem
Festival! So drehte er nachts kurzerhand still und heimlich den Hydranten auf dem Berg ab. Die Folge: Ein halber Tag ohne fließendes Wasser.

Aber hey Taubertal! Zehn Prozent Verlust sind vorprogrammiert. Die Wüste wird uns auch nächstes Jahr wieder mit all ihren absurden Wesen und
Geschichten empfangen und bis dahin sagen wir – wie Faber bei seinem Auftritt schon zuvor – Bella Ciao!


Campus Crew Passau

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