„Polizeigewalt hat es nicht gegeben“

von am 10.01.2019

Eine Rezension von Lulu und Clara.

Vom 7. bis 8. Juli 2017 fand in Hamburg der G20 Gipfel statt, ein Treffen der Staatsoberhäupter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Der Gipfel, an dem polarisierende Politiker wie Trump, Erdoğan und Putin teilnahmen, wurde in einer Zeit ausgerichtet, die in Europa von Angst vor Terror geprägt war. Der Versuch, die Teilnehmer, die Demonstranten und die Bewohner einer unübersichtlichen Millionenstadt, die bekannt für ihre radikale linke Szene ist, zu schützen, resultierte in dem bisher größten Polizeieinsatz der Bundesrepublik: 31.200 Polizisten, 3.000 Einsatzfahrzeuge und 21 Wasserwerfer wurden eingesetzt und eine 38 Quadratkilometer große Demoverbotszone abgegrenzt.

Der Film „Hamburger Gitter – Der G20 Gipfel als Schaufenster moderner Polizeiarbeit“ beleuchtet die viel diskutierte Frage, ob es bei den Ausschreitungen während des Gipfeltreffens zu Polizeigewalt kam. „Polizeigewalt hat es nicht gegeben“ versicherte Hamburgs damaliger erster Bürgermeister Olaf Scholz, welcher sich in dem Film jedoch nicht äußert. Herangezogen werden die Meinungen von fünf Aktivisten und zwölf Experten – hierunter Politiker, Journalisten, Wissenschaftler sowie der Hamburger Polizeisprecher Timo Zill.

27 Demonstrationen, 80.000 Demonstranten, zahlreich angezündete Autos, mehrere ausgeplünderte und nachhaltig zerstörte Geschäfte, viele Verletzte – eine Bilanz der Ausschreitungen. Der anfängliche Versuch der Beamten, den radikalen Schwarzen Block von den friedlichen Demonstranten zu trennen, eskaliert in Machtspielen: Aktivisten bewerfen die Beamten mit Flaschen, Böllern, Pflastersteinen und Fahrrädern. Die Polizei reagiert mit Schlagstöcken, Reizgas und Wasserwerfern.

Der Kriminologe und Rechtsanwalt Benjamin Derin merkt im Film an: „Wenn man sich die Polizeigewalt anguckt, muss man feststellen, dass es auch ein gewisses Interesse einer Eskalation geben kann.“ Denn während die meisten Medien hauptsächlich auf die Gewalt der Aktivisten eingehen, fokussiert sich „Hamburger Gitter“ ausschließlich auf die ebenfalls vorhandene Polizeigewalt.  Um ihre Sichtweise auszudrücken, wählt das Videokollektiv „leftvision“ gezielt linksorientierte Experten und friedliche Aktivisten, die zu Unrecht der Polizeigewalt ausgesetzt waren. Dies wird mit Aufnahmen untermauert, die lediglich die angreifenden Beamten zeigen.

Somit zeigt der Film nicht die Ausschreitungen während des G20 Gipfels, sondern stellt die Sichtweise auf diese von linksorientierten Meinungsvertretern dar. Von den zwölf Experten vertreten elf die Meinung der Filmemacher, lediglich Timo Zill wird als obligatorischer Gegenspieler zu Wort gelassen.

„Hamburger Gitter“ möchte mit seiner bewusst linksorientierten Darstellungsweise auf die vorhandenen Mängel der staatlichen Sicherheitspolitik sowie die fragwürdigen polizeilichen Strategien aufmerksam machen. Damit ist er eine gelungene Abwechslung zu den übrigen dominierenden Aufarbeitungen des Gipfeltreffens, welche sich auf die Gewalt der Aktivisten konzentrieren.

Der Film ist sehr sehenswert, jedoch sollte man sich vorher mit den Beweggründen sowie den Fehlern beider Seiten auseinandersetzen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.

„Hamburger Gitter“ wird am 10.01.2018 um 19:30 Uhr im Café Museum vom Kino Vagabundo gezeigt. Der Eintritt kostet 6,50 € (für Studierende 5,50 €).

Trailer zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=YiY8M6ea1kQ

Bild: Clara Meyer


Weiterlesen

Campus Crew Passau

Jetzt läuft
TITLE
ARTIST