Kommentar: Faire Bezahlung statt Shopping

von am 29.11.2016

Zeitungsübernahme

Faire Bezahlung statt Shopping

 

Die Verlagsgruppe Passau, zu der auch die Passauer Neue Presse (PNP) gehört, hat in der Vergangenheit bereits mehrere Zeitungen übernommen, nun folgt das nächste Blatt: Am Dienstag vergangener Woche wurde bekannt, dass auch der Ingolstädter Donaukurier geschluckt wird.

Damit haben die Passauer ein „Quasi-Monopol“: Von Bad Reichenhall ganz im Süden, über ihren Hauptstandort im Osten und mit dem Donaukurier nun auch bis zur Audi-Stadt im Westen, gehören fast alle Tageszeitungen in Süd-Ost-Bayern zur Verlagsgruppe Passau. Das eine solche Medienkonzentration für die Meinungsvielfalt nicht förderlich ist, hat sich gleich am nächsten Morgen gezeigt. Die sogenannte „Meldung in eigener Sache“ hatte in beiden Zeitungen exakt den gleichen Wortlaut. Und damit ist bereits klar, worauf es hinauslaufen wird. Die bei Firmenübernahmen oft erwähnten Synergien zu nutzen. Mit anderen Worten: Stellenabbau. Dies könnte vor allem die Mitarbeiter in Ingolstadt treffen.
Doch auch in Passau sieht es bereits jetzt für die Mitarbeiter nicht besser aus, ganz im Gegenteil. Das Verlagshaus zahlt Redakteuren und Volontären Gehälter, die unter dem Tarif liegen, außerdem seien „die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter bei der PNP schon jetzt prekär“, so der Bayerische Journalisten Verband. Außerdem befürchtet die Interessensgemeinschaft der Pressevertreter, dass sich die geringe Wertschätzung der Redaktion künftig auch beim Donaukurier etabliert. Statt weiterhin den (ost-)bayrischen Zeitungsmarkt leerzukaufen, sollte sich die Chefetage besser ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden, in die Arbeitsbedingungen im eigenen Haus investieren und ihre Mitarbeiter ordentlich entlohnen. Aufgrund letzterem hatten rund 100 Mitarbeiter in der Passauer Innenstadt eine Protestaktion durchgeführt, diese scheint jedoch ihre Wirkung verfehlt zu haben. Der Bürgerblick berichtet, dass die Verlegerin Simone Tucci-Diekmann zu Wochenbeginn zu einem Krisengespräch mit den Geschäftsführern einberufen hat. Angeblich wurde dabei die Frage „Wie können wir auf Streik reagieren?“ behandelt. Ein geplantes Treffen mit Arbeitnehmervertretern hätte sie dagegen abgesagt. So verschärft Tucci-Diekmann nicht nur die Fronten, sondern zeigt klar auf, was sie von fairer Behandlung ihrer Mitarbeiter hält. Wenn die Redakteure nun streiken so ist das nicht nur ihr gutes Recht, sondern ein wichtiges Zeichen gegenüber der Chefetage, das man eben nicht alles mit seinen Mitarbeitern machen kann. Auch nicht im Medienbereich.

 

 

Erneut haben die Redakteure für gerechte Bezahlung und gegen die PNP-Verlegerin protestiert.


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