Ein Nachbericht von Benedikt.

 

Den Auftakt zur neuen Partyreihe „Hausparty“ hatten sich die Veranstalter Radio Galaxy, Localhub.de und der Zauberberg sicher anders vorgestellt. Statt einer ausverkauften Hütte verirrten sich nur einige wenige Passauer am Samstagabend in den Zauberberg, was nur teilweise an den auftretenden Künstlern lag. Mit Sylabil Spill hatten sich die Veranstalter einen der einzigartigsten deutschen Rapper geladen, die Unterstützung kam von niemand geringerem als den Tribes of Jizu, eine der besten Hip-Hop Livebands des Landes. Sylabil Spill ist keine unbekannte Figur im deutschen Hip-Hop, während er früher mit Battlerap, wortgewandten Punchlines und seiner markanten Stimme auf sich aufmerksam machte, widmet er sich seit einigen Jahren, pionierhaft in Deutschland, dem Grime. Das Londoner Subgenre scheint wie maßgeschneidert für den Bonner, der sich hier auf den druckvollen Beats mit seiner ganzen Wut und Energie austoben kann, aber trotzdem punktgenaue Reime liefert.

Weniger wuchtig, dafür künstlerisch auf einem ganz anderen Level kamen die Beats am Samstag live von der fünfköpfigen Band Tribes of Jizu. Mit ihrer Kombination aus Schlagzeug, Keyboard, Bass, Turntables und Gitarre haben sie bereits einige namhafte Künstler begleitet, angefangen bei Megaloh, über Fatoni bis hin zu Roger Rekless gibt sich die Rap-Elite bei den Regensburgern die Klinke in die Hand. Das vorläufige Highlight folgt am kommenden Sonntagabend, wenn sie zusammen mit Afrob auf Deutschlands größten Hip-Hop-Festival, dem Splash!, vor tausenden begeisterten Fans spielen werden.

Doch vor der Kür kommt immer noch die Pflicht und die war am Samstag ziemlich trockenes Brot. Die etwa fünfzig Besucher ließen sich nicht wirklich anstecken von der Energie, mit der Sylabill Spill immer wieder versuchte, den Funken überspringen zu lassen. Denn, so hatte man den Eindruck, die meistens waren eher gekommen, um sich den Auftritt entspannt anzugucken und weniger um den Zauberberg abzureißen. So verpuffte die Energie von der Bühne ziemlich schnell im spärlich gefüllten Auditorium und es war lediglich ein kleiner Hauch des Londoner Grimes in Passau zu spüren. Man kann sich nur vorstellen, wie die Show bei einer vollgepackten und feierwütigen Menge zünden würde, doch so blieb Sylabil Spill wenig anderes übrig als die Situation mit (Galgen-)Humor zu nehmen und die Sache professionell zu Ende zu bringen.
Traditionell einen noch schwereren Stand hat ja die Vorband, diesmal The Unduster aus Simbach am Inn. Diese gaben sich ebenfalls Mühe, doch ein paar Dutzend Leute mit durchschnittlichem bayerischen Reggae und Ska zu animieren, klappte auch nur mäßig. Unterm Strich dürfen sich die Veranstalter die alte Frage „Woran hats gelegen?“ stellen, ob die Konkurrenz aus Fiesta Latina Bootsparty, gutem Wetter und WM zu stark oder ob die Eintrittspreise von 12€ aufwärts einfach zu hoch waren. Vielleicht war es aber auch die alte Dissonanz aus urbaner Großstadtmusik, die auf verschlafene Kleinstadt trifft und so gar nicht passen will.

Die nächste Hausparty ist für den 19. Oktober terminiert, allerdings noch ohne Künstler/Band.

 

 

 

 

© Vorschaubild: Tribes of Jizu


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