Norddeutscher Sprudelpop – Schorl3 im CampusCrew-Interview

von am 18.10.2021

Schorl3 – die drei Bandmitglieder aus Hamburg begeistern mit energetischen Melodien und witzigen Lines. Sie selbst bezeichnen sich als Erfinder eines eigenen Genres: Des Sprudelpop. Nach dem Erscheinen ihrer Single „Inkasso“ haben sich zwei Drittel der Band unseren Fragen gestellt. 

 

Von Laura Grabi

 

 

 

CampusCrew: Glückwunsch zur Auszeichnung von Krach&Getöse. Letzte Woche war der erste Live-Gig. Das war ja eine Hammer Woche für euch. Wie hat es sich angefühlt live zu sein?

Hannes: Zweischneidiges Schwert, weil wir zwar live waren, aber per Stream und ohne Zuschauer gespielt haben. Ich sehe schon, dass das irgendwie eine Art adäquater Ersatz ist mit dem Stream, aber es kommt niemals daran, vor Leuten zu spielen. Es fehlt einfach das Feedback und der direkte Kontakt. Wie gesagt: Es hat Spaß gemacht, wir würden uns dennoch wünschen, dass wir schnellstmöglich auf Bühnen kommen, wo wir vor Leuten spielen können. Das ist viel, viel wichtiger. Hast du dem etwas hinzuzufügen?

Elias: Nee, es war auf jeden Fall schön, so ein erstes Fühlen, wie es sich zusammen auf der Bühne anfühlt, wie viele Freiheiten man hat und was man live alles ausprobieren kann. Dafür war das schon nicht schlecht, aber ich muss sagen, dass die Fans ein bisschen gefehlt haben und damit das Gefühl, dass die Leute deinetwegen da sind und sich schon die ganze Woche darauf freuen, dich live zu sehen. Das ist nochmal bedeutender für unseren Werdegang.

Elias, du hast bereits als Solomusiker Musik herausgebracht. Wie hast du dich dann mit Anton und Hannes zusammen geschlossen?

Elias: Mit Anton hatte ich damals mein Soloprojekt gestartet. Also ich kenne Anton schon etwas länger. Wir haben schon etwas Musik zusammen gemacht. Das LMO-Projekt, aus dem bereits mehrere Songs hervorgegangen sind, ist ganz klar auch Antons Projekt und irgendwann war halt klar: Ja, ist noch geil, aber da fehlt irgendwie was. Das fühlen wir irgendwie nicht mehr so – und dann haben wir den lieben Hannes kennengelernt.

Hannes: Das war mein Arsch!

Elias: Und der erste Song ist auch mehr oder weniger für das LMO-Projekt entstanden bis dann klar war: Nee, dafür brauchen wir etwas Neues. Das wird dem nicht gerecht. Das muss nochmal von vorne und mit vollster Inbrunst nochmal neu aufgerollt werden, das Projekt.

Vor zwei Wochen ist eure neue Single herausgekommen. Wie ist Inkasso entstanden? Hat tatsächlich jemand von euch Probleme mit der Inkasso gehabt?

(alle heben die Hände)

Elias: Ja.

Hannes: Ja, ich habe mal vergessen, mein SkyTicket-Abo zu kündigen und die Mahnschriften nicht gelesen. Dann bin ich letztendlich von einer 12-Euro-Rechnung auf eine 240-Euro-Rechnung gekommen und da haben wir beschlossen, dass man das eigentlich mal besingen muss, diese Drecksläden.

Aber dann ist das ja eine gute Interpretation gewesen, daraus einfach ein Lied zu machen. Wer von euch kam auf die Idee, sich zusammen zu schließen? Ihr zu dritt – wie kam das?

Elias: Dieser eine Moment, wo wir uns alle angeschaut und wir alle gleichzeitig entscheiden haben: Ja, das ist es!

Hannes: Und im Hintergrund haben gleichzeitig die Vögel angefangen zu zwitschern und die Sonne ist auch noch aufgegangen, das war ganz wundervoll. Und es war ein riesiger Regenbogen am Himmel, der dann bei uns im Studio quasi geendet ist. Und ich meine auch, ein Einhorn draußen gesehen zu haben, aber da bin ich nicht sicher [unbestätigte Angabe].

Auf einer Skala von 1-10, wie viel Spaß haben euch der Video-Drehs gemacht?

Elias: 11.

Hannes: Auch da wieder eine zweiteilige Antwort. Es macht natürlich unfassbar viel Spaß, Videos zu drehen, von denen man weiß, dass sie cool sind und dass man damit den Spaß vermittelt. Die Videos sollen ja auch Spaß vermitteln. Auf der anderen Seite ist ein Videodreh – gerade, wenn man ein geringes Budget hat und trotzdem was Gutes machen will – auch eine sau anstrengende Nummer. Du bist meistens extrem kurz angebunden von der Zeit her. Das heißt, du hast an drei bis vier Tagen sehr viel Wachzeit und sehr viel Zeit, die du sehr konzentriert arbeiten musst. Ein Videodreh ist einfach sehr punktuell. 24 Stunden lang muss einfach alles stimmen, was du tust, sonst hast du am Ende ein Problem. Also die Planung für solche Sachen macht Spaß, das Produkt dann im Endeffekt in der Hand zu haben, macht auch Spaß. Oder sich das anzugucken. Videodrehs an sich sind einfach super anstrengend, aber es macht wie gesagt auch voll Spaß. Aber deshalb für mich eine klassische 8 ½ von 10.

Und welches war für euch der beste oder witzigste Dreh?

Hannes: Ich glaube – zumindest, wenn ich für mich spreche – war es der „Für Dumme“-Dreh, weil wir draußen auf dem Land rum gefahren sind wie die letzten Eierköpfe und ein bisschen ins Blaue gefilmt haben – im wahrsten Sinne. Das war zumindest was das Nebenbeierlebnis anging, der geilste Dreh. Obwohl auch der Dreh fürs „Gib mir mehr“-Video extrem viel Spaß gemacht hat, weil es zwischenzeitlich am Set einfach nur weird war. Weil wir alle irgendwie aus unserer Komfort-Zone heraus mussten, zumindest teilweise. Elias musste sich mit Sushi belegen lassen, während er nackt auf dem Tisch lag. Das war für uns alle auf jeden Fall ein bisschen weird, aber genau das hat so viel Spaß gemacht dabei. Es haben auf jeden Fall alle viel gelacht übereinander und miteinander. Was war dein Lieblingsdreh?

Elias: Ich muss ganz ehrlich sagen: Du bewegst dich.

Hannes: Ok, da hast du dich auch selber grandios in den Vordergrund gedrängt, muss man sagen, ja klar!

Solche Interviewdrehs schweißen auch nochmal anders zusammen oder?

Hannes: Auf jeden Fall! Oder schweißen auseinander. Wenn du drei Tage lang mit den Pennern dann im selben Bett schläfst und den ganzen Tag mit denen abhängst, danach bin ich schon ganz happy, dass ich die nicht mehr sehen muss. Das wissen auch die Wenigsten: Einer von ihnen ist mein Freund, der andere ist mein Feind und ich verrate nicht, wer.

Und woher organisiert ihr euch eure genialen Kostüme? Ist das alles über Connections?

Hannes: Ja.

Elias: Teils, teils. Also vieles entstammt  unserem eigenen Kleiderschrank. Wir sind noch für Videos durch Second-Hand-Läden gezogen und haben alles gekauft, was schön aussah und gepasst hat. Aber seit neustem haben wir auch eine Stylistin, die uns dankbarerweise als Modedesignerin ihre Arbeiten aus der Uni von befreundeten Designern zur Verfügung stellt und das nehmen wir natürlich gerne an.

Hannes: Shoutout an Greta!

Wenn ich mal fragen darf, bei Inkasso – wer hat diesen genialen Bass erstellt? Seid ihr das gewesen, Anton & Hannes?

Hannes: Mega geile Frage. Das war unser Bassist tatsächlich. Das ist ein echter Bass, der ist allerdings stark editiert und bearbeitet und deswegen kommt dieser extrem basslastige Sound zustande. Ich freue mich mega über diese Frage, ich könnte da jetzt eine Stunde lang drüber reden. Aber um das zu verkürzen: Das Witzige bei uns ist ja: Wir sind eine Band aus drei Leuten und davon spielen zwei das dasselbe Instrument und auch nur dieses Instrument und der dritte singt. Also Anton und ich spielen nur Keyboard und Elias singt. Und trotzdem haben wir Songs, die mit Gitarren und Bass überflutet sind und teilweise auch als absolute Hauptinstrumente am Start sind. Das hängt damit zusammen, dass wir Studiomusiker haben. Auch immer dieselben, die auch unsere Live-Band sind und auch einfach zum Team dazugehören. Das sind ein Bassist, ein Gitarrist, ein Schlagzeuger und ein Saxophonist.

Ihr tretet ja bald auf in Wolfenbüttel auf dem Summertime-Festival auf – seid ihr aufgeregt auf einem Festival zu spielen?

Hannes: Ja.

Elias: Fairerweise muss man sagen, wir treten vorher noch auf einem Festival in Wiesbaden auf, weshalb wir da unsere Generalprobe für Wolfenbüttel haben, um dann in Wolfenbüttel umso mehr auszurasten.

Hannes: Ja, einfach mal, um dann den Wolf zu schütteln!

Und wie findet man heraus, dass der Manager auch Saxophon spielen kann?

Hannes: Das findet man eher über die Hintertür heraus. Also erst wirst du ihn wahrscheinlich als Saxophonspieler kennenlernen, bis er dann dazwischen geht, wenn Elias oder ich schwachsinnige Dinge reden, die so realitätsfern sind, dass sie nicht in die Öffentlichkeit gehören dürfen.

Manager Jonathan: ALARM!

Hannes: Da kommt dann der Manager heraus, der dann laut Alarm schreit und das Zoom-Meeting beendet.

Elias: Was noch nicht passiert ist…bisher.

Jonathan: Aber ich kann euch stumm schalten.

Hannes: Jonathan ist auch mittlerweile die klassische Henne oder Ei-Frage. Ich weiß nicht mehr, ob er erst Manager oder Saxophonist war. Weißt du das?

Jonathan: Ist mir grad entfallen.

Hannes: Ist quasi dasselbe, wenn wir mal ehrlich sind.

Komplett. Wo würdet ihr am liebsten auf der Bühne stehen und wie sieht der perfekte Auftritt aus?

Hannes: Ich muss mal kurz anmerken, das sind die besten Fragen, die wir bei einem Interview gestellt bekommen haben. Ich hab richtig Bock zu antworten. Elias, fang du mal an.

Elias: Also für mich wäre es auf der Hauptbühne auf dem MS Dockville-Festival in Hamburg zu spielen, einfach weil es das einzige Festival ist, auf dem ich bisher war und weil ich die ganze Stimmung da mag. Der perfekte Auftritt würde aussehen: Ankommen, hart einen reinstellen, mega performen, erstmal Moshpit oder stagedive, Auftritt beenden und dann mit dem ganzen Publikum einen heben.

Hannes: Ja, im Endeffekt kann ich mich dem anschließen. Für mich sieht der optimale Auftritt so aus, dass man die Stimmung so hochkocht, dass es ein einziges fiebriges Spaßgehabe ist. Wir versuchen es langsam zu etablieren, dass wir so extatisch sind, dass es nicht anders geht, als einfach dabei zu sein.

Elias: Und ganz klar der Rockstar-Vibe. Wir sehen uns ganz klar als Rockstars der Pop-Musik.

Hannes: Oder auch die Pop-Stars des Funks. Oder den Funkstars des Rocks. Das ist beliebig umkehrbar und trifft immer zu.

Klingt gut. Was macht denn am meisten Spaß, wenn Schorl3 zusammen ist?

Hannes: Die richtige Antwort wäre natürlich das Musikmachen und die falsche Antwort ist das Partymachen und das ist in dem Fall auch die einzige Antwort.

 

Mittlerweile hat Schorl3 einen neuen Track „Sport“ veröffentlicht. Die Band bringt uns eine kleine Beschreibung über Körperkult und Fitnesswahn – ein etwas anderer Sound, als man ihn von ihnen gewohnt ist. Meinerseits sehr zu empfehlen.


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