Milky Chance in München – musikalische Meisterleistung und klimapolitischer Aufruf

von am 16.02.2020

Es ist Dienstagabend, der 11. Februar 2020. In Deutschland herrscht Weltuntergangsstimmung: Tief Sabine treibt immernoch ihr Unwesen. Doch in München kämpfen sich Hundertschaften durch Sturm und Regen, denn ein Weltstar ist zu Gast.

Deutsche Musiker, die weltweit erfolgreich sind, gibt es nur wenige. Die Kassler Clemens Rehbein und Phillip Dausch von Milky Chance haben es jedoch geschafft. Sie touren von Australien bis Alaska, von Tasmanien bis Coachella.

Zwei Kassler in den Billboards

Im Jahr 2012 laden sie den Song “Stolen Dance” auf Youtube hoch und landen über 100.000 Klicks. Das erste Album Sadnecessary folgt ein Jahr später und schafft es 2014 in die Billboard Charts. 2017 veröffentlichen sie das zweite Album Blossom. Mit dem neuen Album Mind the Moon wollen sie die Charaktere der ersten beiden Alben vereinen. “Best of both worlds” wie sie selbst sagen: den Minimalismus der ersten und den epischen Sound der zweiten Platte.

Eine bunte Mischung an Publikum, Instrumenten und der Songauswahl

Auch mit Mind the Moon machen sich Milky Chance wieder auf die Reise von Kassel bis Coachella. Wir waren für euch dabei und das, bei ihrem größten Gig in Europa, im Zenith in München. Das Publikum ist, wie zu erwarten bei solchen Weltstars, bunt gemischt. Von dem obligatorischen knutschenden Pärchen, über die 17-jährigen Kiffer-Kids und die kreischenden Fans der Vorband in der ersten Reihe bis hin zu den schicken Mädels Anfang 30, die brav jeden Radio-Hit der Band für ihre Facebook Story filmen.

Dabei war der Auftritt wirklich filmenswert. Die Jungs haben das neue Album grandios performed. Gitarren-, Bass-, Schlagzeug- und Mundharmonikasolos wie Technoeinlagen – erst auf der Bühne vor einem versteht man so richtig was Milky Chance mit “Global Pop” meint. Popmusik soll als freies, offenes System verstanden werden. In “The Game” verschmelzen Reggae, Chillout-Pop und Rock, als hätten die drei Gattungen schon immer zusammengehört.

Knappe anderthalb Stunden powert die Band durch. Ohne große Pausen spielen sie so viele Songs wie möglich, sowohl vom neuen Album als auch von den beiden Vorgängern. Keine Frage, dass bei “Stolen Dance” die Halle bebt und sich zu der Zeile “stoned in paradise” auch die letzten Kiffer noch ihre Tüten anzünden. Als Zugabe gibt es eine Techno-Rock-Live Version des eher unbekannteren Songs “Ego”. Wer nicht mitsingen kann, schließt die Augen und genießt – bis auf die wenigen, die sich jetzt schon gestresst auf den Weg zur U-Bahn machen.

Klimawandel: Milky Change und Second-Hand-Merch

Das erste Lied auf dem Album heißt “Fado” und beschreibt genau den Weltschmerz, der für den gleichnamigen portugiesischen Musikstil maßgeblich ist. Fado handelt meist von sozialen Missständen, Sehnsucht und eben vor allem von der “saudade”, dem Weltschmerz.

“What if the birds don’t know how to sing anymore?”
– Milky Chance

Auch auf den Klimawandel und den Verlust unseres Planeten wird angespielt. Mit dieser Thematik setzen sich die Kassler aber nicht nur musikalisch auseinander. Leadsänger Clemens moderiert nicht viel auf dem Konzert, doch zum Klima hat er viel zu sagen. Die Band mache sich viele Gedanken über ihren Energieverbrauch bei der immensen Albumtour, die sie hinlegen. Fast 70 Konzerte weltweit sind insgesamt für “Mind the Moon” geplant.

Bei Flügen von Australien über Europa nach Mexiko, USA und Kanada sowie Ton- und Lichtequipment bei jeder einzelnen Show haben sie einen beachtlichen CO2-Ausstoß auf dem Gewissen. Für ihre Tour haben sie deswegen eine Nachhaltigkeitsbeauftragte angestellt und in München gab es zum zweiten Mal auf der Tour Second-Hand-Merch. Fans sollen alte T-Shirts oder Pullis von zuhause mitbringen, die dann vor Ort mit einem exklusiven “Mind the Moon” Logo bedruckt werden. Zusätzlich zu dieser nachhaltigen Aktion spenden Milky Chance 10% der Merch-Einnahmen an Opfer der Buschbrände in Australien.

“A bands systemic change towards a better future”

Auf ihrer neuen Internetseite beschreiben sie ihre Mission und bloggen über ihre Aktionen und Gedanken im Kampf gegen den Klimawandel. “Jetzt hab‘ ich ganz schön viel gelabert”, winkt Clemens seine Ansprache ab und doch weiß jeder einzelne in der Halle, wie wichtig es ihm ist.


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