„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“

von am 28.12.2020

Von Michela Garbarino

Wenn man an unsere westlichen Gesellschaftsformen denkt, dauert es nicht lange, bis der Begriff „Kapitalismus“ fällt. Wenn man ein bisschen weiter bohrt, stößt man früher oder später auf das altbewährte Patriarchat und diejenigen, die dagegen ankämpfen – die Feministinnen und Feministen. Koschka Linkerhand ist eine von ihnen; die deutsche Schriftstellerin beschäftigt sich hauptsächlich mit dem materialistischen Feminismus und hat passend hierzu letzten Donnerstag einen Online-Vortrag mit dem imposanten Titel Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen – Eine materialistische Kritik des Patriarchats gehalten.

Kapitalismus und Patriarchat

Der materialistische Feminismus hebt den Kapitalismus und das Patriarchat als zentrales Element für das Verständnis der Unterdrückung von Frauen hervor. Koschka Linkerhand erklärte in diesem Zusammenhang warum Patriarchatskritik in erster Linie notwendig ist. Kurz gesagt, kritisiert frau damit eine Gesellschaftsform, in der Männer direkt oder indirekt Macht über Frauen ausüben. Die Erfahrung vom Sexismus treibe einen zur Kritik. Weiter vergleicht die Feministin den erlebten Sexismus mit Rassismus und Anti-Semitismus, denn all diese Phänomene – oder besser gesagt – all diese Problematiken seien Schmiermittel der Gesellschaft, um negative Zustände zu vertuschen.

Kontrolle über weibliche Sexualität

In ihrem Vortrag ging Linkerhand noch spezifischer auf den Zusammenhang von Patriarchat und dem weiblichen Subjekt ein. Hierbei ging es um die Kontrolle über die weibliche Sexualität, den Herrschaftskonflikt der Menschen – besonders der Frau – und um die Geschlechterrolle, in die eine Frau geboren wird und sich ein Leben lang unterdrücken lässt. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“, lautet hier das bekannte Zitat von Simone de Beauvoir.

Politische Kämpfe der Frauen

Im Zusammenhang mit Kapitalismus zeigt sich das Patriarchat erneut von seiner Schattenseite. Zwar seien Männer und Frauen gleichsam Subjekte, als Arbeiter, jedoch bleibe den Frauen, die reproduktive Rolle in der Gesellschaft nicht erspart, wenn sie ebenfalls produktiven Tätigkeiten nachgehen. Es bleibt jedoch nicht nur dabei; Berufe die prädominierend von Frauen besetzt sind, werden systematisch abgewertet und geringer entlohnt (siehe Erzieherinnen, Pflegerinnen, etc.). Für Koschka Linkerhand ist es in diesem Zusammenhang wichtig, Theorien zu formulieren, die mit den konkreten politischen Kämpfen der Frauen untermauert werden können. Sie nannte hierzu als Beispiele jeweils den Widerstand von Frauen gegen das Abtreibungsverbot in Polen, Deutschland und Argentinien, sowie die Debatte über ein Kopftuchverbot für Schülerinnen. Zu beachten sei hier, ob Mädchen das Recht haben sollten, Kopftuch zu tragen oder ob ihre Freiheit des nicht-tragens gewahrt werden soll.

Gesellschaftskritik: Begehren Gesellschaft zu ändern

In beiden Fällen muss Gesellschaftskritik, nach Linkerhand, vom Begehren geleitet werden, etwas in der Gesellschaft zu verändern. Im weiteren Verlauf des Vortrags beschrieb die Feministin den Begriff der weiblichen Sozialisation im Patriarchat und erklärte abschließend die Abgrenzung von „Queerfeministisch“ und „Radikalfeministisch“.

 

Im Anschluss hatten die interessierten Teilnehmer noch die Möglichkeit auf eine Diskussionsrunde mit der Referentin via Livechat.

 

 

Der Vortrag wird bis 01.01.2021 auf dem YouTube-Kanal der AStA Bonn verfügbar sein.


Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.


Weiterlesen

Campus Crew Passau

Jetzt läuft
TITLE
ARTIST