Jazzfest Passau 2020 – Wie ist das Open-Air Erlebnis?

von am 09.08.2020

Auch 2020 findet das Jazzfest in Passau statt, trotz aller Widrigkeiten. Wie das Ganze aussieht und ob sich ein Besuch lohnt, erfahrt ihr hier.

Von Lisa Stromsdörfer

Das Café Museum lässt sich keineswegs von der aktuellen Situation stoppen, ganz im Gegenteil. Von Juni bis Ende August finden zahlreiche Konzerte im Rathaus Innenhof statt. Und das alles ist auch noch umsonst! Man muss lediglich vorher über die Homepage des Museum Café reservieren, damit die erlaubten Zuschauerzahlen nicht überschritten werden. Das Programm das noch ansteht, findet ihr online. Ich habe mir das natürlich nicht entgehen lassen und war am 13. Juli selbst da. Es hat gespielt: Das Daniel Holzleitner Comprovisition Project.

Die Publikumszahl hält sich aufgrund der Beschränkungen in Grenzen – ich habe eine ganze Bierbank für mich allein. Es donnert bereits leicht, als das Ensemble auf die Bühne kommt und ich bekomme einen Tropfen ab. Das Comprovisition Project setzt sich zusammen aus Posaune, Saxophon, Schlagzeug, Keyboard, Gitarre und Kontrabass. Das Sextett legt los mit etwas, das so klingt als würden sie noch die Instrumente stimmen. Dann geschieht aber plötzlich, ehe man sich versieht, der nahtlose Übergang in das erste Stück. Besonders die Blasinstrumente haben live ganz schön Wumms. Schon nach dem ersten Lied denke ich mir: Ich hab richtig, richtig Bock auf Jazz.

Kombination aus Komposition und Improvisation sorgt für interessanten Flow

Nach den ersten beiden Songs erklärt der Österreicher Daniel Holzleitner, der auch alle Stücke selbst komponiert hat, was der Ensemblename bedeutet: “Comprovisition”, das ist eine Fusion aus Composition und Improvisation. Diese beiden Elemente der Jazzmusik versucht die Gruppe möglichst organisch miteinander zu verschmelzen. Und es gelingt voll und ganz. Es gibt zwar immer wieder Parts, in denen die Soli auch absichtlich hervorgehoben werden, aber was im Fluss der Songs jetzt geschrieben oder an Ort und Stelle entstanden ist – das ist nicht immer klar. Die Stücke haben fast allesamt ein Thema, das sich hier und da wiederholt und variert, zwischen den Stützpunkten dieser Melodielinien begibt sich die Musik aber auf wilde Ausflüge, bevor alle sechs Stränge wieder in einer Einheit aufeinander treffen.

Trotz schlechtem Wetter: atmosphärischer Jazz

Die Musiker lassen uns zwischen den Stücken kurz durchatmen, Daniel Holzleitner liefert währenddessen etwas schüchterne Zwischenmoderationen. Er erzählt, dass er einige seiner ersten vorsichtigen Jazzerfahrungen im Jazz Café Passau gemacht hat, dieser Auftritt ist also sowas wie ein Heimspiel. Parallel zu alldem wird das Wetter immer unangenehmer, der Donner rummst heftig, man sieht den ein
oder anderen Blitz und es schüttet. Die meisten Besucher sitzen aber sowieso unter den großen Schirmen im Hof und mein Platz befindet sich unter einem großen Baum, der mich abschirmt. Und gerade als die Band ruhigere Töne anstimmt, etwa bei “Elegy” oder “Garden” ist es eigentlich ganz schön atmosphärisch, während dem Gewitter dem Jazz zu lauschen. Allerdings handelt es sich hier nicht um Fahrstuhlmusik oder eine Spotify Playlist die zum Candlelightdinner im Hintergrund läuft, die Musik ist durchaus anspruchsvoll und für nicht so Jazzbegeisterte Hörer bestimmt auch ein bisschen anstrengend. Auch abgefahren wird es bei “1110 Meditation”: Das Stück entstand, als das Ensemble sich im Proberaum daran versuchte, Musik mit komplexem, symmetrischem Aufbau zu üben, während nebenan eine Metalband probte. Um diese beiden Seiten darzustellen, ahmen die sechs Spieler erst Metalmusik mit ihren Instrumenten nach und setzen dem dann eher obskure Klänge entgegen. Eine komische, aber echt coole Mischung irgendwie.

Fazit: Auf Jazz in Passau ist auch dieses Jahr Verlass

Als der Abend bei der Zugabe angekommen ist, strömt Regenwasser meine Bierbank hinunter. Ich bin ganz schön nass, aber das war’s wert. Auch der Rest des Publikums hat sich vom Wetter nicht beirren lassen. Die CD, die danach noch angeboten wird, kaufe ich auch noch. Das ist für mich das Mindeste, wenn das Konzert ja ohnehin schon umsonst ist. Das Jazzfest Passau klappt also trotz besonderen Umständen einwandfrei und allein die Erfahrung, mal wieder Livemusik zu erleben, war Gold wert. Ich empfehle es auf jeden Fall jedem, der etwas mit Jazz anfangen kann, sich zumindest eine Veranstaltung aus dem Programm anzuschauen.

 

Vorschaubild: Symbolbild.


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