Hin und Her – Eine Theaterrezension

von am 11.11.2018

Hin und Her – Ödön von Horváth

gespielt von Let’s Play

 

Ohne Grenzen, ohne Grenzen
Gäb es keinen Staat und keine Ordnung in der Welt.
Wir tun von den Grenzen leben,
Also muß es Grenzen geben.
Nein, das wär ein ganz ein arges Gfrett!
Wenn man keine Grenzen, keine Grenzen hätt!

Nein – dies ist keine Rede eines patriotisch denkenden Politikers, der sich vor allem, was sich außerhalb seines „Vaterlandes“ befindet, fürchtet.

Nein – dies sind auch nicht die Worte eines besorgten Bürgers.

Nein – dies sind Worte aus der Schlussszene von dem Theaterstück „Hin und Her“, entstanden aus der Feder des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth. Zugegeben, in Anbetracht der momentanen politischen Situationen klingen diese Worte gar nicht so fremd – existiert doch auch jetzt – vielleicht mehr denn je – das Grenzdenken in so vielen Köpfen. Und wie irrwitzig dieses Denken doch sein kann, stellte die Theatergruppe Let’s Play von der Universität Passau vergangene Woche gekonnt dar.

Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag trat die kleine Gruppe im Zauberberg auf. Donnerstags war ich dabei – neugierig und ohne das Stück vorher gekannt zu haben. Eine aberwitzige Komik empfing mich: Der Vater –  wohl Choleriker und Grenzorgan, die verliebte Tochter – in Gedanken bei ihrem Liebsten, der Onkel – vor Verlangen lechzend – auf der einen Seite der Grenze; Konstantin – Liebster der Tochter und Grenzorgan, die Witwe – lüsternd nach einem neuen Mann – auf der anderen Seite.

Und dazwischen auf der Brücke, die beide Länder miteinander verbindet? Eine verlorene Seele, die lernt, was es heißt, in keine Heimat gelangen zu können. Ferdinand Havlicek heißt diese verlorene Seele; ausgewiesen aus der alten Heimat, nicht eingelassen in die neue Heimat, wandelt er auf der Brücke Hin und Her zwischen Zuständigkeitsbereichen, Liebschaften, Streitereien und kriminellen Machenschaften.

Zusammengefasst gibt es drei große Grundprobleme:

Der Vater – Thomas Szamek – weist einen Bund zwischen seiner Tochter und Konstantin ab, er möchte lieber einen Sohn mit genügend Geld. Auch sei Konstantin einer von denen da drüben, die doch „alle verschmitzt und verlogen“ seien. Das zweite Problem: Ferdinand, der in keines der Länder gelangt. Eine Glanzfigur, mit der ich lache, mit der ich Mitleid habe und mich mit ihr über all die Torheiten in diesem Stück wundere. Und das dritte Problem: Die Schmugglerbande, auf die ein Kopfgeld von 20.000€ gesetzt wurde. Kein Wunder, dass Konstantin die Bande erwischen möchte.

Inmitten dieser Streitigkeiten, auf der Brücke sitzend, ein Fischer. Genial gespielt, für mich wohl sogar eine der best gespielten Rollen in dem Stück. Sein einziger Kummer: Die nicht anbeißenden Fische. Da Stück scheint ein Wirrwarr zu sein, ein Knäuel verhedderter Fäden. Doch Let’s Pay setzte dies gekonnt um, entwirrte das Wirrwarr so gut es ging und belustigte mit aberwitzigen Situationen, die durch die komplette Raum- und Bühnennutzung gut zur Geltung kamen.

Glaubwürdig gespielt; gut umgesetzt in einem doch recht einfachen Bühnenbild. Anmerkung dazu: Das Originalstück ist geschrieben für eine Drehbühne – für Let’s Play also so schier nicht umsetzbar, jedoch gut gelöst: Der Zuschauer sieht frontal auf die Brücke und somit vordergründig auch auf beide Grenzen. Der Ort des aktuellen Geschehens wurde immer – manchmal ausreichend, manchmal weniger ausreichend gut – beleuchtet, sodass man auch, wenn man weiter hinten saß, wusste, wo sich das Stück abspielte, auch wenn die Schauspieler aufgrund liegender und sitzender Haltung teilweise nicht zu sehen waren. An der Verständlichkeit der Darsteller mangelte es manchmal, aber meist nur bei unwichtigeren Passagen, sodass das Stück immer gut verständlich war.

Letztendlich traf Let’s Play mit der Aufführung den Nerv der Zeit. Denn auch wenn das Stück komisch-lustig und absurd ist, muss ein jeder sich bewusst machen, dass dahinter eine Problematik steckt, die ernst zu nehmen und leider noch immer sehr aktuell ist: Das Denken in Grenzen.

 

 

Und: Kompliment an Let’s Play: Euch ist eure Premiere der Premieren super gelungen!


Campus Crew Passau

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