Europäische Außengrenzen gefährlicher als Bürgerkriege?

von am 03.07.2020

Von Xenia Beitz

Erik Marquardt, Mitglied des Europäischen Parlaments, hat im Interview mit der Campus Crew über die derzeitige Lage in griechischen Flüchtlingscamps gesprochen. Welche Rolle spielt dabei die Pandemie? Was sind seine Vorschläge für die Asylpolitik Europas?

Die Bilder der ankommenden Menschen 2015 an den griechischen Inseln haben noch viele im Kopf. Doch auch im Jahr 2020 flüchten viele Menschen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien oder Libyen. Nach der riskanten Reise über das Mittelmeer stranden sie meist in völlig überfüllten Lagern und warten auf Asylverfahren.

Erik Marquardt: Politiker und Seenotretter

Erik Marquardt ist seit der Europawahl 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments, seine Schwerpunkte sind Flucht, Migration und Menschenrechte. Er selbst war schon als Seenotretter auf dem Mittelmeer und erst im April diesen Jahres auf Lesbos. Von dort gibt es immer wieder Berichte über die katastrophalen Bedingungen in den Lagern, am bekanntesten ist das Camp Moria.

 

Coronamaßnahmen in Flüchtlingslagern

Im Interview mit der Campus Crew erklärt Erik Marquardt, dass es derzeit keine Verbesserung in den Lagern auf den griechischen Inseln gibt. Aufgrund des Corona-Virus dürfen die Menschen die Camps weiterhin nicht verlassen. Sie sind dort eingesperrt und das obwohl mittlerweile wieder Urlauber und Urlauberinnen auf die Inseln dürfen. Allgemein sind die Menschen dort aber sehr gut über das Virus informiert. Über Kampagnen und Internet-Recherchen erfahren sie über die Möglichkeiten sich zu schützen.

 

 

Doch auch wenn der Kampf gegen die Infektionskrankheit langsam abflaut, so geht der Kampf ums Überleben weiter. Europäische Mitgliedsstaaten finanzieren die sogenannte lybische Küstenwache, doch außer dieser – welche vor allem das Ziel hat Menschen davon abzuhalten über das Mittelmeer an das Festland zu kommen – gibt es derzeit keine staatliche Rettungsmission vor der griechischen Küste.

 

 

An den europäischen Außengrenzen liegt laut Erik Marquardt einiges im Argen. Immer wieder hört man von Berichten über die Küstenwache, welche Menschen auf manövrierunfähigen Rettungsinseln auf dem Meer aussetzt, statt ihnen Zugang zu Asylverfahren zu gewährleisten.

Das ist eine Situation die nicht untergehen darf; wenn die europäische Politik Maßnahmen ergreift, die dazu führen, dass die eigenen Außengrenzen gefährlicher sein sollen als Bürgerkriege.

Der Abgeordnete des Europaparlaments fordert ein Umdenken in der Asylpolitik. Regionen, Städte und Kommunen, welche sich dazu bereit erklären, Menschen aufzunehmen sollen besser unterstützt werden.

Man muss sich nicht dafür rechtfertigen, wenn man Menschen in Not hilft, sondern rechtfertigen müssen es die Leute, die es nicht tun wollen.

 

 

Neben Thüringen hat sich nun auch Berlin als zweites Bundesland dazu bereit erklärt, Menschen aus Griechenland aufzunehmen. Um jedoch eine nachhaltige Veränderung in der Asylpolitik herbeizuführen, sei es wichtig den Druck von unten auf die Bundesregierung zu erhöhen, so der Grüne Politiker.

 

 

Wenn du dich selbst engagieren möchtest, dann findest du unter der Kampagnenseite verschiedene Aktionen und Spendenlinks. Ganz wichtig außerdem: sprich mit deinem Umfeld darüber und mache so auf die Situation der Menschen aufmerksam und motiviere andere zum Spenden.


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