EM: London Calling!

von am 30.06.2021

Die DFB-Elf hat sich Dank eines späten Tores von Leon Goretzka gegen Ungarn ins Achtelfinale gezittert. Jetzt wartet England im legendären Londoner Wembley Stadion. CampusCrew Autor Nicolas hat das Spiel gegen Ungarn für euch analysiert und einen kleinen Ausblick auf das heutige Spiel gewagt.

In der 84. Minute formte Leon Goretzka aus seinen Fingern ein Herz und zeigte es in Richtung des ungarischen Fanblocks. Dort standen eine Menge schwarzbekleideter Männer, denen man wohl nicht zu Nahe tritt, wenn man sie als rechtsextrem bezeichnet und die vor bereits vor dem Anpfiff mit geschmacklosen „Deutschland, Deutschland homosexuell“ Rufen aufgefallen waren. Das Herz setzte einen Schlusspunkt unter die Debatte über das Verbot der UEFA, die Allianz Arena in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen.

Achtelfinale im legendären Wembley-Stadion

Das Leon Goretzka soeben für den Ausgleich zum 2:2 gesorgt hatte, schien zur Nebensache zu werden und doch war es wohl der wichtigste Treffer seiner gesamten Karriere. Es bewahrte Deutschland vor dem zweiten blamablen Vorrundenaus bei einem großen Turnier nacheinander und erspart Joachim Löw vorerst den vorzeitigen Abschied als Bundestrainer. Nebenbei bescherte der Treffer dem deutschen Team ein Achtelfinale im legendären Londoner Wembley-Stadion gegen England.

„Ich habe eine schwierige Position“

„Ich weiß gar nicht mehr genau, wer mir den Ball in den Sechzehner spielt“, schilderte der Torschütze die Situation nach dem Spiel im Interview. „Aber ich habe eine schwierige Position, weiß nicht genau, was in meinem Rücken passiert und will ihn deswegen ablegen auf Timo“, Goretzka meint damit Timo Werner. „Der versucht es mit einem Torschuss, der wird abgefälscht, dann fällt der Ball mir vor die Füße, dann nur noch rein damit.“ Es sei hier erwähnt, dass es der erst 18-jährige Jamal Musiala war, der den Ball reinspielte. Löw hatte ihn in den ersten zwei Gruppenspielen auf die Tribüne gesetzt und doch schaffte er etwas, woran Spieler wie Leroy Sane, Serge Gnabry oder Kai Havertz 84 Minuten lang scheiterten: Er sezierte mit einem Pass, die ungarische Abwehr.

Taktik: Wieder das gleiche System

Trainer Joachim Löw hatte taktisch wieder auf das gleiche System gesetzt. Lediglich Thomas Müller musste verletzungsbedingt aus der Startelf weichen und wurde zur Überraschung von 80 Millionen Bundestrainern nicht wie erwartet durch Torschützen Goretzka, sondern durch Leroy Sané ersetzt. Ungarn hingegen setzte voll und ganz auf die Defensive. Offenbar hatte man das Spiel der Deutschen gegen die Portugiesen analysiert, wobei man kein ausgewiesener Fußballfachmann sein musste, um die großen Lücken zu erkennen, die sich Gosens und Kimmich gegen die Portugiesen auftaten. Nichtsdestotrotz waren es die Ungarn, die durch einen Kopfball des Mainzers Adam Szalai bereits nach elf Minuten in Führung gingen und der deutschen Mannschaft den dritten Rückstand im dritten Spiel bescherten. Mats Hummels und Matthias Ginter verpassten in dieser Situation schlichtweg den Zugriff auf den Torschützen.

Die Euphorie wich schon nach wenigen Sekunden

Die beiden Innenverteidiger hatten auch anschließend Pech, als sie mit den beiden größten deutschen Torchancen der ersten Halbzeit den Ausgleich verpassten. Hummels scheiterte mit einem Kopfball nach einer Ecke an der Latte (21.) und Ginter scheiterte direkt im Anschluss am ungarischen Torwart Gulacsi und stocherte ihm den Ball aus nächster Nähe in die offene Arme (22.). Eben jener Gulacsi sprang in der 66. Spielminute nach einer Freistoßflanke von Joshua Kimmich mit der Faust am Ball vorbei, sodass Hummels abermals Richtung Tor köpfen konnte, wo ihn Havertz aus nächster Nähe zum 1:1 ins Tor köpfte. Ein Hauch von Euphorie kehrte zurück in die Münchner Arena, Deutschland war zu diesem Zeitpunkt im Achtelfinale. Die Euphorie wich allerdings schon nach wenigen Sekunden einer großen Ratlosigkeit. Direkt nach dem Anstoß spielten die Ungarn einen langen Ball in die gegnerische Hälfte, den die DFB-Abwehr nicht klären konnte, Szalai steckte den Ball daraufhin in den Lauf von Andras Schäfer und der köpfte am herauskommenden Manuel Neuer zur erneuten Führung ein (68.). Deutschland stand erneut vor dem Aus und es dauerte tatsächlich bis zur 84. Spielminute bis Leon Goretzka mit der nächsten gefährlichen Torchance  die Arena in Fröttmaning in Ekstase versetzte.

England wartet im Achtelfinale

Im Achtelfinale wartet nun also England um Trainer Gareth Southgate, der die letzten Tage unzählige Male an das letzte EM-Ausscheidungsspiel der beiden Mannschaften erinnert wurde. Bei Englands Heim-EM 1996 verschoss er im Elfmeterschießen gegen die DFB-Auswahl, die somit das Finale erreichte und sich den bis heute letzten EM-Titel sicherte. The Sun veranlasste dies bereits zu der knappen, aber unmissverständlichen Aufforderung: „Trainiert Elfmeter, Jungs!“

Ein Herz für Leon Goretzka!

45000 Zuschauer am Dienstag im Wembley, das mag in diesen Zeiten wie ein schlechter Witz klingen, aber rein sportlich betrachtet beschert einem der Gedanke daran bereits jetzt Gänsehaut. An dieser Stelle: Ein Herz für Leon Goretzka!


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