EM: „Die Mannschaft“ ist angekommen

von am 28.06.2021

„Die Mannschaft“ ist bei dieser EM angekommen. Mit 4:2 überrumpelte die DFB-Elf am Sonntagabend schwache Portugiesen. Heute Abend kann sie gegen Ungarn den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. CampusCrew-Autor Nicolas hat für euch das Spiel von Sonntag analysiert.

„Ich fühlte mich winzig mit Hut“

In seiner jüngst erschienenen Biografie erzählt Robin Gosens von einer früheren Begegnung mit dem portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo. Am Rande eines Pokalspiels, dass Gosens damals mit seiner Mannschaft Atalanta Bergamo gegen Juventus Turin für sich entscheiden konnte, fragte er den ehemaligen Weltfußballer nach seinem Trikot. Ronaldo ließ ihn abblitzen. „Ich war mal eben von der Platte rasiert worden, fühlte mich winzig klein mit Hut“, kommentierte Gosens die Szene von damals.

Routine oder Neuland

Am Sonntag trafen die beiden im Rahmen des zweiten Spieltags der Gruppe F bei dieser Europameisterschaft, also in den Trikots ihrer Nationalmannschaft aufeinander. Für Ronaldo ist die Nationalmannschaft Routine. Für Gosens hingegen ist diese komplettes Neuland. Er hat in seiner Jugend nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht und ging noch in der U19 vor Spielen in die Disco zum feiern. Ende August letzten Jahres nominierte Joachim Löw ihn erstmals für die Nationalmannschaft.

Gleiche Aufstellung, andere Dynamik

Jener Joachim Löw vertraute entgegen jeder Empfehlung der 80 Millionen Bundestrainer dieser Nation auf dieselbe Startaufstellung wie im Spiel gegen Frankreich und doch hatte das Spiel der DFB-Elf von der ersten Minute an eine ganz andere Dynamik. Im Nachhinein zeigte sich also, wie viel Respekt Löw den Franzosen entgegengebracht hatte. Das Zentrum sollte gegen den Weltmeister dicht sein und die außen keinen Millimeter zu weit aufrücken.

Die Mannschaft ist wie verwandelt

Gegen Portugal schien die Mannschaft wie verwandelt. Kai Havertz, dem nach dem Frankreich Spiel seine Trägheit vorgeworfen wurde, ging bereits nach 58 Sekunden so hart zur Sache, dass ausgerechnet Portugals Innenverteidiger Routinier Pepe (definitiv kein Kind von Traurigkeit!) zu Boden ging. Thomas Müller war einmal mehr der Antreiber, wie man es von ihm eigentlich schon immer gewohnt ist und auf der linken Seite wirbelte eben Robin Gosens. Auch sein Pendant auf der rechten Seite, namentlich Joshua Kimmich scheint sich endgültig mit der Position auf Rechtsaußen abgefunden zu haben.

Ergebniskosmetik statt Auftrieb

Das 0:1 der Portugiesen nach einem zielstrebigen Konter vollendet von Cristiano Ronaldo (15.) hätte der Mannschaft durchaus schon früh den Wind aus den Segeln nehmen können, nicht aber an diesem Abend. Das Team von Joachim Löw spielte weiter zielstrebig in Richtung portugiesisches Tor und erzwang zwei Eigentore durch Dias (35.) nach einem Ball in die Mitte von Gosens und Guerreiro (39.) nach „Vorlage“ von Kimmich. Havertz krönte mit dem Treffer zum 3:1 (51) seine starke Leistung und Gosens köpfte nach Flanke von Kimmich das 4:1 (60.). Das Tor von Diogo Jota zum 2:4 in der 67. Spielminute war lediglich Ergebniskosmetik und verschaffte den Portugiesen keinen wirklichen Auftrieb.

Gosens, Hummels, Müller: Angeschlagen

Einziger Wermutstropfen waren die Auswechslungen von Gosens und Mats Hummels, die das Feld beide angeschlagen verlassen mussten, beide stehen gegen Ungarn aber wohl zur Verfügung. Bei Thomas Müller hingegen
sieht die Situation anders aus. Der Bayern-Spieler hat sich eine Kapselverletzung im rechten Knie zugezogen, sein Einsatz gegen die Ungarn erscheint sehr unwahrscheinlich.

Ziel: Euphorie mitnehmen

Die Euphorie aus dem Portugal Spiel gilt es für die DFB-Elf nun gegen Ungarn mitzunehmen, mit oder ohne Thomas Müller. Es sei dabei an die, und da kommt man leider nicht drum rum an die WM 2018 erinnert, als nach dem Last-Minute-Sieg alle damit rechneten, dass dieser Befreiungsschlag die Elf durch das Turnier tragen würde und man wenige Tage später gegen Südkorea auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde.

Man of the Match

Ein Robin Gosens in dieser Form dürfte dabei garantiert nicht schaden. Vollkommen verdient wurde er von der UEFA nach dem Spiel zum Man of the Match gekürt. Ein glücklicher Fan in der Allianz Arena durfte sich sogar über ein Trikot freuen, Ronaldo hingegen wurde nach dem Spiel im Gespräch mit Toni Kroos beobachtet, er hatte in seiner Karriere schon durchaus erfolgreichere Spiele bestritten.


Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.


Campus Crew Passau

Jetzt läuft
TITLE
ARTIST