Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön

von am 11.12.2016

Mit dem Flixbus nach Prag, mit dem Postbus Hamburg oder mit dem Berlinlininenbus nach…Berlin – Reisen mit dem Bus ist seit einiger Zeit wieder total hip, in und modern. Lange war ich, trendresistend wie ich bin und erschüttert von meinen aus der Schulzeit stammenden Erfahrungen mit Überlandbussen, dem neuen Hype ferngeblieben. Doch eines Tages, in der Vorlesungsfreien Zeit, niemand war in Passau, beschloss ich eine kleine Exkursion zu machen –  für 6 Euro nach Nürnberg ist aber auch wirklich günstig.

Quelle: FlixBus

So glorifiziert das Unternehmen seine Produkte: ein limonengrüner Bus fährt in den Sonnenuntergang und steuert dabei direkt auf ein Londoner Wahrzeichen zu.

Einige Tage später stehe ich am Bussteig. Auch ein grüner Flixbus steht da –  aber nicht für mich. Dieser soll nach Wien fahren, von meinem Bus Richtung Essen keine Spur. In meiner Buchungsbestätigung steht ich soll 20 Minuten früher da sein. Ich bin hier- doch wo bist du – Flixbus?

Endlich ein Bus, lackiert in feinstem Limonen-grün, taucht am Horizont auf. Meine erste Flixbusfahrt beginnt. Dass es kein WLAN gibt, obwohl damit von dem Konzern ständig und immer und überall geworben wird, darüber wurde ich freundlicherweise schon vorher in Kenntnis gesetzt. Ich versuche also ein Buch zu lesen. Allerdings sind die Gespräche der beiden Busfahrer sehr präsent und ich bekomme einen kleinen Einsteigerkurs in Rumänisch. Der Beifahrer, der die Ansagen macht tut sich ein wenig schwer mit Englisch. Eigentlich bereitet ihm sogar das Fantasiewort „Flixbus“ Schwierigkeiten und so kündigt er an dass Friedlbu bald in Nonnbogg anhält und wir leider 3 ½ Stunden verspätet sind.

Natürlich pustet die Klimaanlage mit Windgeschwindigkeiten um 100 kmh ca. 5 Grad kalte Luft in mein Gesicht. Wenigstens laufen die Greatest Hits von Queen. Nach dem dritten Mal verliert allerdings auch das seinen Reiz.

Als wäre das alles nicht genug ist es in Nürnberg neblig und ein unangenehmer Sprühregen liegt von früh bis spät in der Luft. Dafür kann Friedlbu jetzt aber wirklich nix.

Sehr wohl allerdings für die Rückfahrt, die nicht weniger spaßig werden soll. Verspätet ist der Bus sowieso, das is ja klar. Jetzt habe ich aber auch noch eine nette Mitfahrerin, die lautstark in feinstem Kölsch ihrer Sitznachbarin erzählt wie oft sie heute schon umgestiegen ist, wie die Sandwhichauswahl an welchem Bahnhof war und wo dieser blöde Bus wie viel Verspätung hatte und das alles nur weil ihre Mutter nach Passau ziehen musste. Was will die denn da überhaupt.
In den Gesprächspausen telefoniert sie regelmäßig mit besagter Mutter und setzt sie über den aktuellen Streckenabschnitt, alle zurückliegenden und alle kommenden Halte in Kenntnis. Außerdem erzählt sie ihr jedes Mal ihr Akku wäre gleich leer und sie müsse jetzt dringend sparen. Dann ruft sie aber doch noch 15 Mal an. Ein paar Reihen weiter telefoniert ein Mann abwechselnd mit zwei Handys auf zwei verschiedenen Sprachen und irgendwo ist jemand sehr stark erkältet. Die Klimaanlage pustet natürlich weiter fröhlich kalte Luft auf die armen Passagiere hinunter.

Naja irgendwann passieren wir dann auch das Ortsschild von Passau, doch die Höllenfahrt nimmt kein Ende, denn kurz vor dem Ziel biegt der Busfahrer mal eben aus Versehen falsch ab und befindet sich nun auf einer ca. 3 Meter breiten Straße, die definitiv nur in die falsche Richtung führt. Er fährt also rückwärst wieder zurück auf die mehrspurige Bundesstraße, von der er kam. Die Kölnerin telefoniert ein letztes Mal mit ihrer aufmüpfigen Mutter, die es gewagt hat ins Hinterland zu ziehen und der Mann mit den zwei Handys packt ein drittes aus und filmt den Rangiervorgang aus dem Fenster.

Ja wir sind dann irgendwann auch angekommen.


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