Dragonball, Liebe und Einsamkeit – It is what it is Albumreview

von am 25.04.2020

Ein exzentrischer Produzent, Bassvirtuose und Sänger schwebt alleine mit seiner Raumstation durchs All. Er trägt sein Durag, fängt schwerelos schwebende Whiskeybläschen mit dem Mund und denkt zwischen den Sternen über die Welt nach, während er abgefahrene Basslines improvisiert. Ungefähr so klingt Thundercats neues Album “It is what it is”.

Eine Albumreview von Lisa Stromsdörfer.

Die Reise startet mit dem Intro Lost in space, und geht dann in den ersten richtigen Track Interstellar Love über. Thundercats Bass ist, wie gewohnt, sehr sehr gut und Karmasi Washington liefert ein mitreißendes Saxofonsolo ab. Zwischendrin vermischen sich die verschiedenen Komponenten allerdings zu einem jazzigen Durcheinander, in dem man fast die Orientierung verliert. So wird es einem beim Hören des Albums noch öfter gehen. Thundercats Falsetto fehlt in der Regel auch die Durchsetzungskraft und wird regelmäßig vom Instrumental überlagert.

Memes haben Einfluss auf die Musik

Da Flying Lotus und Thundercat alles andere als Neulinge sind was Musikproduktion angeht, kann man davon ausgehen, dass der etwas schwammige Klang eine bewusste Entscheidung war. Auch die Musikvideos zeigen einen unscharfen, Lo-Fi anmutenden Look. Ob einem das dann gefällt, ist reine Geschmackssache. Ich persönlich finde, die Aufmachung des ganzen Albums passt gut in den Zeitgeist. Alben bringen nicht nur Musik, sondern ein ganzes Lebensgefühl mit sich. Ästhetik und “Vibes” haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und Thundercat passt mit seiner weirden, nerdigen Art zu einer Generation, die sich selber nicht so ernst nimmt. Vor allem die Single Dragonball Durag ist nicht nur richtig catchy, sondern auch ziemlich witzig:

I may be covered in cat hair, but I still smell good / You don’t have to like my video games or my comic books/ But baby girl, how do I look in my durag?

Humor, Tiefgang und Mischung von Features

Thundercat ist aber auf keinen Fall als Clown abzustempeln. Besonders in der zweiten Hälfte des Albums zeigt er seine nachdenklichere Seite. Mit Songs wie King of the Hill, der die Schattenseiten des Erfolgs beschreibt, oder Unrequited Love. Zwischen den mal albernen, mal bedachteren Songs findet man aber auch richtige Banger auf It is what it is. Die erste veröffentlichte Single Black Qualls legt einen Groove
hin, der seinesgleichen sucht und die Features (Steve Lacy, Steve Arrington, Donald Glover) heben den Song aufs nächste Level (Im Gegensatz zum äußerst holprigen Beitrag von Lil B auf Fair Chance). Auch I love Louis Cole, gefeatured von niemand anderem als dem großartigen Louis Cole selbst, erfüllt mit spacigen Chordprogressions und wilden Schlagzeugeinlagen alle Erwartungen, die ich an diese Zusammenarbeit hatte.

Thundercat kann auch philosophisch

Der letzte Song und Titeltrack des Albums, It is what it is, schwebt auf melancholischen Klängen daher und ist ein Tribut zu Ehren des verstorbenen Mac Miller.

When the gold becomes dough and the magic starts to fade/ When it all comes to an end/ When there’s nothing left to say/ It is what it is.

Mit diesen Zeilen kommt Thundercat zum Resümée des Albums und eigentlich des Lebens allgemein: Unser Aufenthalt auf der Erde ist verrückt, tragisch und wundervoll zu gleich, aber letzten Endes kann man eben nur alles hinnehmen und das Beste draus machen. Manchmal vielleicht indem man ein gelungenes Funk Album raushaut.

 

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