David Schalko und “Schwere Knochen”

von am 13.10.2018

Ein Vorbericht von Tom

David Schalko erzählt die Geschichte so, als habe man das alles nur irgendwo einmal kurz aufgeschnappt, zwischen Tür und Angel, hinter vorgehaltener Hand. Unterweltkönig und “Notwehrspezialist” Ferdinand Krutzler, Protagonist in Schalkos neuem Roman “Schwere Knochen”, sei schon bei der Geburt ein “Ungetüm” gewesen, heißt es da. Oder auch, dass er zwar keine Seele gehabt habe, dafür aber eine “Persönlichkeit” gewesen sei. Die Grenze zwischen Wahrheit und Unwahrheit verschwimmt, und genau dadurch zeichnet Schalko ein äußert präzises Bild der Wiener Unterwelt der Nachkriegszeit.

Dabei beginnt die Geschichte noch vor dem Zweiten Weltkrieg, im März 1938. Tausende Menschen jubeln gerade Adolf Hitler zu, der am Wiener Heldenplatz den Anschluss Österreichs an Deutschland verkündet, als drei junge Ganoven, angeführt von Ferdinand Krutzler, die Wohnung eines stadtbekannten Nazis ausräumen. Sie fliegen auf, werden in das Dachauer Konzentrationslager und später in das KZ Mauthausen deportiert, wo sie als „Kapos“ zu Handlangern der SS-Aufseher werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehren alle vier Ganoven nach Wien zurück und füllen das dort im Krieg entstanden Vakuum innerhalb der Unterwelt. Nach und nach verlieren sie sich jedoch in einem immer dichter werdenden Geflecht aus Geschäftsbeziehungen sowie Feind- und Freundschaften. Die früher so erfolgreiche Verbindung droht zu zerbrechen und die vier Unterwelter werden schließlich zu Opfern ihres eigenen Geschäfts.

Mit „Schwere Knochen“ dringt Schalko tief in die österreichische Nachkriegsgesellschaft ein. Er wagt einen Blick in die Menschen, deren Persönlichkeit durch das im Krieg Erlebte irreversibel verändert wurde. Historisch fundiert und gepaart mit trockenen Humor lässt der Roman so die damalige gesellschaftliche Identität in Österreich erkennen und deshalb auch einen Schluss auf die Gegenwart zu.

David Schalko, geboren 1973 in Wien, ist Regisseur und Autor. Sein Format „Sendung ohne Namen“ brach mit sämtlichen Konventionen des österreichischen Fernsehens. Die Filme und Serien Schalkos, darunter „Aufschneider“, „Braunschlag“ und „Altes Geld“, erhielten internationales Renommee. „Schwere Knochen“ ist sein vierter Roman.

 


 

Lesung mit David Schalko am Dienstag, 16. Oktober, um 20 Uhr im Scharfrichterhaus Passau. Karten können für zehn Euro (ermäßigt acht Euro) vorab bei der Buchhandlung Pustet, dem Passauer Pegasus und im Kulturbüro des Scharfrichterhauses erworben werden. Je nach Ticketauslastung gibt es eine Abendkasse.

Schwere Knochen. Roman. Verlag Kniepenhauer & Witsch, Köln, 2018. 575 Seiten, 24 Euro.

Titelbild: © Ingo Pertramer

Buchcover: © Kniepenhauer & Witsch


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