Bier, Haze, Zukunft – Warum BHZ die Rapcrew der Stunde ist

von am 25.02.2019

Ein Artikel von Benedikt.

„Ey, alle meine Brüder stinken morgens schon nach Bier/sippe schön im Studio, bin ziemlich deformiert“, so beginnt ein Ohrwurm, den die Besucher des splash!-Festivals 2018 als Zeltplatzhymne des Jahres im Gedächtnis behalten sollten. Komponiert haben diesen philosophischen Erguss zwei aufstrebende Berliner Rapcrews: die „102 Boyz“ und ein Kollektiv namens „BHZ“. Letztere spielen sich nicht nur mit ihrem Suff-Song namens „Bier“ auf Deutschlands größtem Hip-Hop-Festival auf den Zettel vieler Fans und beginnen nun, diese Fanbase Schritt für Schritt auszubauen.

BHZ steht für Bananahaze, eine willkürliche Wortschöpfung, die Kumpel Zeki während einer Aufnahmesession im Studio plötzlich dazwischenruft und sich zum Crewnamen entwickelt. Derselbe Zeki beschreibt als Featuregast in der Hook von „Hoodparadies“ auch das Mantra, das die Jungs verbindet: „Wir verbring’n unsre Zeit hier am Kiez/Unser Spielzeug: Mic und die Beats/Was geht? MotB, das ist unser Berlin/Es duftet nach Weed, Hoodparadies“. Die Jungs nehmen den Hörer mit in ihren Alltag nach Berlin-Schöneberg zwischen Späti und Spliff. Ehrlich und erfrischend erzählen sie von durchfeierten Nächten, persönlichen Problemen und dem Zusammenhalt, den sie in ihrem Umfeld erleben.

Hinter BHZ verbergen sich Dead Dawg, Monk, Ion Miles, Big Pat, Longus Mongus, MotB und Samy. Die Sieben zeichnen sich dadurch aus, dass sie in waschechter DIY-Attitüde von Artworks bis Aufnahme alles selber machen. Während die ersten Fünf vor allem am Mic stehen, ist MotB (Akronym für Max on the Beats) wie der Name schon sagt, für die Beatproduktion zuständig und Samy hält den Laden als Audio-Engineer zusammen.

Was die Sache erst richtig spannend macht, ist der Variantenreichtum mit dem BHZ von Track zu Track den Stil wechselt und sich in keine Genreschublade pressen lässt. Auf klassische Boombap-Kopfnicker-Beats und trocken durchgerappte Strophen („Schließe die Augen“) folgen amerikanisch anmutende Trapinstrumentals und abgehackte Flows („Red Eye“). Abgerundet wird das Ganze mit einer Prise „Rosmarin“, einer versoffenen Liebesbekundung, die ein wenig an die cloudigen Tracks von LGoony oder Yung Hurn erinnert.

Jeder der Jungs hat seinen ganz eigenen Stil, Big Pat sticht nicht nur wegen seiner beachtlichen Körpergröße heraus, sondern vor allem wegen seiner unnachahmlichen tiefen Stimme, die meist im positiven Sinne emotionslos und ignorant daherkommt. Dead Dawg sorgt für die nötige Portion Durchgeknalltheit, lässt gleichzeitig aber auch tief in seine Psyche blicken: „Meine Mama hat versagt, nur das Ganja war noch da/Dann ist mein Papa gegang’, dann hab ich gar nichts mehr gesagt/Gar nichts mehr gesagt (Junge) – Nein/D-D-Dead Dawg, ich war schonmal tot, niemand kann mir drohn“. Longus Mongus ist wohl derjenige, der die jugendliche Unbekümmertheit der Gang am besten repräsentiert und den Suff mit den Jungs zur Kunstform und Lebenseinstellung macht. Dazu braucht es nicht viel mehr als ein paar Flaschen Bier vom Späti kombiniert mit einem bewusstseinserweiternden Mittel nach Wahl und los geht’s mit dem Hedonismus made in Schöneberg.

Ion Miles und Monk bilden den heimlichen Kopf der Crew, das zeigt sich nicht nur daran, dass sie beinahe auf jedem BHZ-Song zu finden sind, sondern auch oft die Hook beisteuern. Beide greifen hierfür auch auf Autotune als Stilmittel zurück, doch setzen es nicht im Übermaß ein. Gerade Monk kann man das Gefühl für Melodien definitiv nicht absprechen, auf „Vertrauen“, das er auch selbst mitproduziert hat, liefert er den Beweis dieser Klasse. Dennoch besitzen beide auch die nötigen Skills, um souverän gerappte Parts beizusteuern.

Seit fünf Jahren machen die Jungs zusammen Musik, die ersten Tracks lassen sich immer noch auf Soundcloud finden. Zuerst als lose Ansammlung von Solokünstlern unterwegs, folgt 2017 das erste gemeinsame Mixtape „Bananashake“, das sie auf den Shows ganz klassisch auf CD an die Fans verteilen. Ein Jahr später folgen EPs von Monk und Big Pat und im Herbst erreicht schließlich das Debütalbum „2826“ die Streamingportale. Damit geht’s dann auf beinahe ausverkaufte Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Live funktioniert BHZ ideal, durch ihre Energie wird jedes Konzert zum Abriss und so verwundert es nicht, dass sie im Sommer 2019 auf Festivals in ganz Deutschland gebucht sind. Mit „Maximal verwirrt“ aus Longus Mongus Debütalbum „KOMMAKLAR“, das im Januar erschienen ist, steht dafür die nächste Festivalhymne bereits in den Startlöchern. BHZ sind auf der Deutschrap-Karte angekommen und haben ihre ersten Ausrufezeichen gesetzt, nun müssen sie daran arbeiten, die eigenen Solocharaktere zu entwickeln, aber gleichzeitig den Gangspirit nicht zu verlieren, dann kann es nur noch weiter nach oben gehen. Mit dem jüngst angekündigten Kollabo-Projekt der beiden „Köpfe“ Ion Miles und Monk ist der nächste Schritt schon in Aussicht.

 

Bild: Landstreicher Booking


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