Voodoo Jürgens – Ansa Woar (2016)

von am 30.09.2016

Zum ersten Mal seit drei Jahren ist dieses leider viel zu seltene Gefühl wieder da: Ich warte mit voller Vorfreude auf die Erscheinung eines neuen Albums. Die meiste Musik die ich höre ist von Bands, die sich schon lange aufgelöst haben, oftmals weil ein Bandmitglied schon tot oder ihre Blütezeit schon längst verwelkt ist. Dann entdeckte ich die Wiener Gruppe Voodoo Jürgens und mußte feststellen, daß zwar zwei, drei Lieder veröffentlicht waren, das Album aber erst Ende September erscheint. Demnach hieß es warten und die Zeit mit dem Ohrwurm »Heite grob ma Tote aus«, dem Beziehungsdrama »Gitti« aus der Lager A Session und der B-Seite »Ronny« totzuschlagen.

Voodoo Jürgens Bild: Wolfgang Bohusch

Voodoo Jürgens
Bild: Wolfgang Bohusch

Nun hat das Warten ein Ende und die erste Frage, die sich aufdrängt ist natürlich, ob es sich gelohnt hat. Dies ist mit einem ganz klaren »Ja« zu beantworten. »Ansa Woar« (Lotterlabel) besticht musikalisch durch eine Mischung aus Jazz, Liedermacher und ein bißchen Wiener Chanson und textlich durch Geschichten im Weaner Dialekt, scheinbar aus dem Wiener Alltagsleben gegriffen, die sich meist um kaputte, abgestürzte Personen aus zwielichtigen Milieus drehen. Textlich steht er mit dem Lied als Erzählform mit oft hintersinnigem Humor in der Tradition von André Heller, Arik Brauer, Helmut Qualtinger und Georg Kreisler. Die Instrumentierung mit Gitarre, Akkordeon, Keyboard, Kontrabaß und Schlagzeug lassen die Geschichten zeitlos klingen.

Gleich zu Beginn werden dem Hörer »3 Gschichtn ausn Cafe Fesch« erzählt, über einen »kugelrunden Russen«, den Willy und einen Beinamputierten, begleitet von einem repetitiven Gitarrenspiel. Bei Stücken wie »Gitti« und »Alimente« übernimmt die Schauspielerin und Sängerin Eva Billisich (bekannt aus den Filmen »Muttertag« und »Hinterholz 8«) die weiblichen Parts und sorgt damit für erfrischende Abwechslung. Die B-Seite wirkt im Vergleich zur eher flotteren A-Seite folkig und ruhig. »A gscheida Bua« läßt mit den einfachen Gitarren und Mundharmonikaparts Einflüsse von Bob Dylan erkennen, während »Fang da nix a« wie ein improvisiertes Stück am Lagerfeuer klingt, inklusive Chor. Auch wenn »Ansa Woar« sehr abwechslungsreich ist und ein sehr gelungener Mix aus verschiedenen Genres darstellt, wirken die knapp 50 Minuten in meinen Ohren etwas zu lang, zumindest um das ganze Album am Stück zu hören. Mit »Meine Damen, Meine Herren« verabschiedet sich Voodoo Jürgens auf eine sehr melancholische Art beim Hörer, mit der Begründung, daß er sie nicht weiter quälen möge. Dies mutet etwas seltsam an, denn das Album war alles andere als eine Qual. Reinhören ausdrücklich empfohlen!

Voodoo Jürgens »Ansa Woar« auf Spotify
mehr Informationen zum Künstler:Facebook

Video zu:

»Heite grob ma Tote aus«

»Gitti« (live bei Willkommen Österreich)

»Ansa Woar« bei:

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