¡A La Huelga!

von am 08.03.2018

Es ist geradezu niedlich, welche Probleme die Deutschen in den Vordergrund stellen. Vielleicht, weil sie den Kampf um die wirklich wichtigen Dinge nach 1968 aufgegeben haben. Am Weltfrauentag zum Beispiel schreibt SPIEGEL-Kolumnist Jan Fleischhauer über die angebliche Enteignung von 15 Millionen deutschen Dieselfahren. Er wünscht sich einen Aufstand der Millionen. Bei den Bildern, die mir da in den Sinn kommen, muß ich nur laut auflachen. Eine Demonstration von wenigen tausenden gilt in der deutschen Demonstrations-DIN mittlerweile als groß. Im Vergleich zu den Bildern, die man aus Spanien kennt, sieht das natürlich lächerlich aus.

Zum Weltfrauentag gingen laut Gewerkschaftsangaben 5,3 Millionen Menschen auf die Straßen und nahmen an einem 24-stündigen feministischen Generalstreik teil – organisiert von den vielzähligen und starken Gewerkschaften, die von den traditionell syndikalistisch verwurzelten Linken unterstützt wurde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund vergab am selben Tag Rosen an die deutsche Frau. Eine nett gemeinte, absolut nichtssagende Geste. In Spanien ist von einer „feministischen Revolution“ die Rede. Auch wenn dieser Begriff mit triefendem Pathos untersetzt ist, liegt er sehr nahe an der Wahrheit. Der Generalstreik machte deutlich, was eigentlich jeder wissen sollte und müßte, nämlich daß ohne Frauen es nicht geht. Aufgrund des Streiks fielen mehrere Zugverbindungen aus, die TV-Moderatorin Ana Rosa moderierte ihre angekündigte Sendung nicht um am Streik teilzunehmen, obwohl es ihr untersagt war.

Die groß angelegte Streikaktion war ausgezeichnet geplant und wurde von den Rechten belächelt, da sie bezweifelten, daß der Arbeitsniederlegung irgendjemand Folge leisten würde. Schließlich gebe es keine Diskriminierung, Frauen seien durch und durch gleichberechtigt. Erst kürzlich lehnte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy gleichen Lohn für gleiche Arbeit für Mann und Frau ab. Wer glaubt, die Geschlechter seien gleichberechtigt, sollte einmal „violencia machista“ googeln und wird Augen machen, was alles möglich ist. Der feministische Generalstreik wird ähnlich wie der 15. Mai in die spanische Geschichte eingehen und wird hoffentlich der Obrigkeit klar machen, dass es Änderungsbedarf gibt und daß die Massen dahinterstehen. Ein schöner Nebeneffekt ist, daß der Protest in Form eines Generalstreiks weiter am Leben gehalten wird. Ein altes Gewerkschaftslied hallte durch die spanischen Straßen:

Auf zum Streik ihr zehn, auf zum Streik ihr hundert!

Auf zum Streik Mutter und ich komm auch.

Auf zum Streik ihr hundert, auf zum Streik ihr tausend!

Ich für euch und ihr für mich!


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