Nachruf: David Bowie

von am 11.01.2016

Natürlich könnte man einen Nachruf mit den schon zu oft gehörten Floskeln „Ein ganz großer ist von uns gegangen“ und „Bowie war seiner Zeit stets voraus“ beginnen. Letzteres ist nämlich totaler Unfug. Bowies Musik war immer ein Produkt ihrer Zeit und hat auch nur in den jeweiligen Zeitabschnitten funktioniert. Die Kostüme und Musik zu Ziggy Stardust wären ohne Glam-Rock nicht möglich gewesen, ebenso wären Alben wie „Young Americans“ (1975) ohne die Disco und Soul-Welle Mitte der 1970er nicht entstanden. Die Zusammenarbeit mit Brian Eno auf Alben wie „Low“ (1977) und „Heroes“ (1977) ist eine herausragende Kollaboration, doch muß man auch Enos Verdienst hoch anrechnen, daß er den kalten, sterilen Sound der Entzugsjahre von Bowie auf Magnetband bannte. Ähnliches gilt für die Leistung des Produzenten Tony Visconti, der sämtliche Bowie Alben produzierte. Also was machte David Bowie zu David Bowie?

Die Antwort mag auf den ersten Blick nicht einleuchten, doch bei genauerer Betrachtung ergibt sie durchaus Sinn. Lange vor den hippen, „coolen“ Kids heute hatte Bowie mit der „bisexuellen Koketterie“ gespielt, zu einem Zeitpunkt, in der es zwar rechtlich erlaubt war (1967 wurden homosexuelle Handlungen in England legalisiert), aber gesellschaftlich noch lange nicht akzeptiert. Noch immer wurden Homosexuelle aufgrund ihrer sexuellen Orientierung auf offener Straße zusammengeschlagen. Da lächelt der Musikkenner über Aufmerksamkeitshuren wie Miley Cyrus.

You’ve got your mother in a whirl ‚cause she’s not sure if you’re a boy or a girl

Rebel Rebel

Musikalisch hat Bowie die Rock- und Popmusik revolutioniert. Sein erster Hit „Space Oddity“ ist ein wunderschöner Akustiksong mit leicht verzerrten psychedelischen Effekten. Seine Alben „Hunky Dory“ (1971), „Ziggy Stardust“ (1972), „Aladdin Sane“ (1973), und das Konzeptalbum „Diamond Dogs“ (1974) schafften jedoch dann den bekannten Bowie-Sound der frühen 70er Jahre. Größtenteils einfache Akkordwechsel, abfallende Bassfiguren von verzerrten Gitarren begleitet (Drive-In Saturday) und majestätische Refrains, die einem Schauer über den Rücken jagen, waren die einfache, aber sehr effektive Formel. Zusammen mit den Glam-Rock Alben bilden „Station To Station“ (1976) und die Berlin Trilogie, bestehend aus „Low“ (1977), „Heroes“ (1977) und „Lodger“ (1979), den Grundstein für viele Post-Punk Bands wie Magazine oder Joy Division. Neben seiner eigenen Musik produzierte Bowie Lou Reed („Transformer“) und Iggy Pop („The Idiot“ & „Lust for Life“). Außerdem probierte er sich in der Schauspielerei, welches Bowie zu einem Vollblutkünstler machte.

Da dies ein Nachruf ist, würde ich ihm gerne nachrufen: „David Bowie! Komm zurück!“ Wir bräuchten ihn heute mehr als je zuvor.

Anspieltips:

  1. Changes (Hunky Dory, 1971)
  2. Drive-In Saturday (Aladdin Sane, 1973)
  3. Sound And Vision (Low, 1977)
  4. Starman (Rise And Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, 1972)
  5. John, I’m Only Dancing (Single Only, 1972)
  6. Modern Love (Let’s Dance, 1983)
  7. Rebel Rebel (Diamond Dogs, 1974)
  8. Life On Mars? (Hunky Dory, 1971)
  9. Fame (Young Americans, 1975)
  10. The Man Who Sold The World (The Man Who Sold The World, 1970)

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