Jede dritte Frau

von am 29.11.2020

Seit vier Jahrzehnten findet am 25. November der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt und immer noch erfährt jede dritte Frau* Gewalt in ihrem Leben. Warum ist das in unserer Gesellschaft noch immer so ein großes Problem?

 

Von Veronika Obermaier

Seit 1981 ist der 25. November der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und soll jedes Jahr aufs Neue ein Zeichen setzten. Auch wenn sich das Bewusstsein nicht nur auf diesen einen Tag im Jahr beschränken sollte, ist es ein Datum, dass das Thema wieder in den allgemeinen Fokus rückt.

Jede dritte Frau erlebt Gewalt

Wie an vielen anderen Orten der Welt findet auch in Passau eine Kundgebung statt, um auf (sexualisierte) Gewalt an Frauen* und Femizide aufmerksam zu machen, die immer noch zu fester und zu unsichtbarer Teil der Gesellschaft sind. Auf den Plakaten der Veranstaltung steht: „Jede dritte Frau“ und ein Mann in der Menge sagt: „Des kannst jo einfach abzähln“ und genau das sollte das Thema so viel präsenter machen. Ich, die Frau links oder rechts neben mir eine von uns hat bereits psychische und oder physische Gewalt erlebt oder leidet noch jetzt darunter. Noch viel schlimmer ist, dass das nur statistische Daten und theoretische Gedankenspiele sind, die eine wahrscheinlich viel zu hohe Dunkelziffer außer Acht lassen.

Beratungsangebote sind überlastet

Aus den Reden der verschiedenen Organisationen – darunter Terre des Femmes, Cat Calls of Passau, LUKS oder das Passauer Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung – wird klar, dass kein Versuch, das Problem zu lösen an der Gesellschaft und in der Folge auch an der Politik vorbeigehen kann. Denn nicht erst seit der Corona-Pandemie und dem Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt sind Frauenhäuser und Beratungsangebote für Betroffene* überlastet.

Frauenhaus: Hohe Hürden

Die Finanzierungsregelung von Frauenhäusern ist von Bundesland zu Bundesland und teilweise auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich und hängt somit stark von der zuständigen Behörden ab. Zusätzlich dazu gibt es keinen festen Anteil, der den Frauenhäusern zusteht, sondern auch der ist abhängig von der jeweiligen Kommune. Somit ist es nicht verwunderlich, dass vieler Orts Hilfsangebote zu kurz kommen und manche Frauen* nicht einmal eine Möglichkeit sehen auszubrechen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Hilfesuchenden sich an den anfallenden Kosten beteiligen müssen und das gegebenenfalls nur über das Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) möglich ist. Da aber viele der Betroffenen nicht nur in eine psychischen, sondern auch in einer finanziellen Abhängigkeit zu ihren Tätern stehen, ist allein der Eintritt in ein Frauenhaus eine Hürde.

Femizide statt Beziehungstaten

Insgesamt wären viel mehr Plätze in Frauenhäusern, größere Kapazitäten in Beratungsstellen und nicht zuletzt auch Einrichtungen für Täterarbeit nötig, um der Gewalt gegen Frauen* etwas entgegenzusetzen. Es mangelt immer noch an gesellschaftlichem Umdenken, aber auch an den Strukturen, die seitens der Politik vorgegeben werden müssten, denn nur so könnte zumindest die finanzielle Lage entspannt werden. Es steht fest, dass ein Prozess in Gang gesetzt werden muss, denn das, was in jedem Land, in jeder Stadt und in zu vielen Haushalten stattfindet, ist Frauen*hass und Anti-Feminismus. Morde an Frauen passieren nicht aus Liebe, es sind keine Beziehungstaten, es sind Femizide und Sprache ist ein erster Schritt in Richtung der Realität, die wir uns wünschen. Und keiner sollte in einer Gruppe von Frauen* stehen und an den direkt Umstehenden abzählen können, wie viele von ihnen bereits Erfahrung mit Gewalt gemacht haben.

 


 

Erklärung: Der Stern (*) hinter dem Wort Frau steht für alle jene, die sich nicht in ein binäres Geschlechtersystem einordnen wollen und/oder können und somit hiermit inbegriffen sind.


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