Hot Boogie Chillun – 18 Reasons to R’n’R

von am 06.04.2018

Von Valerie.

 

Wild, hemmungslos, laut. Schlagende Bassklänge, ungestüme Gitarrenriffs und harte Schlagzeugrhythmen bestimmen die Bewegungen der schweißgebadeten Menge. Eine kratzige Männerstimme erhebt sich über alle und treibt das Szenario voran. Beine und Arme werden geschwungen. Zigarettenrauch hängt in der Luft. Stickig ist es in dem Club, der gerade so genug Platz bietet. Tanzen, feiern, nur nicht denken. Den Rock’n’Roll an Leib und Seele spüren – das ist alles, was die Anwesenden heute wollen.

So oder so ähnlich mag es wohl gewesen sein – damals, vor über 10 Jahren, als die Band Hot Boogie Chillun noch die Bühnen der Welt eroberte. Damals – vor der Auflösung.

1992 gründeten Sascha Vollmer (heute wohl besser bekannt als Hoss Power und neben Alec Völkel Sänger der Band The BossHoss) und Schlagzeuger Roberto Bangrazi die Band. 1998 kam nach Ausstieg des Bassisten Michael Frick dazu. Mit einem energiegeladenen Mix aus Rockabilly, 60s Rock, Blues und einem Hauch von Underground-Trash tourten sie durch die Weltgeschichte. 2005 dann die Auflösung. Bis jetzt. Ende des Jahres 2017 gaben Hot Boogie Chillun ihr Comeback bekannt. Mit einem neuen Album im Gepäck – naja fast neu. Das alte Album 15 Reasons to R’n’R neu aufbereitet, sozusagen frisch poliert, mit drei neuen Songs.

Eine grandiose Wiederauferstehung!
2018 heißt es 18 Reasons to R’n’R – verständlich. In der von Popmusik geprägten Zeit ist Rockabilly noch mehr zur Nischenmusik geworden. Da braucht es schon ein paar Gründe mehr, das Volk zum Rock’n’Roll zu bewegen (Obwohl HBC mit ihrem Sound nun zusätzlich zu ihrer eigenen Fanbase auch BossHoss-Fans ansprechen können). Und das gelingt den Auferstandenen ziemlich gut. Mit What happend to me startet die Platte. Trashig, rau – der Song reißt einen direkt in die wilden Fluten der Rockabilly-Szene. Kopfüber hinein, sodass man sich wirklich fragen kann: Was passiert denn da mit mir? Schmecke ich da nicht etwa Kippenrauch? Stecke ich nicht gerade in einer tosenden Menge von Leuten? Als bräuchte ich nur die Hand auszustrecken, um das Trio auf der Bühne berühren zu können.

Was ein authentischer Sound! Und dieser zieht sich durch das komplette Album – die drei neuen Songs inbegriffen. Deutlich sind die Einflüsse der Künstler und Bands zu hören, die Sascha Vollmer damals schon inspirierten. Von Elvis Presley bis zu Bands auf dem Sun-Records Label ist einiges dabei. Kein Wunder auch, dass auf dem neuesten Album Coversongs wie Oh Well (Fleetwood Mac) oder Widow Wimberly (Tony Joe White) vertreten sind. Natürlich im Hot Boogie Chillun – Style. Während Oh Well wieder zum Schwingen des Tanzbeines anregt, gehört Widow Wimberly zu den etwas ruhigeren Stücken. Mit einer Spur von Melancholie und Wehmut.

Where no words needed
Dass das Trio nicht nur stimmlich überzeugen kann, wird einem bei den beiden Songs Love and a 45 und Penetration bewusst. Beides Instrumentalstücke, die nicht nur die 60er wiederaufleben lassen, sondern mit vorantreibenden Riffs zu scheppernden Melodien des Tages werden.

In einer von Genderwahnsinn geprägten Zeit darf natürlich Frauenpower nicht fehlen. Dieser lässt sich auch direkt bei der dritten Auskopplung finden: Chickpulling Machine. Ein frecher Song, in dem Mastermind Sascha Vollmer den Ton vorgibt und die weibliche Verstärkung diesen brav und artig wiederholt.

„cause every moment’s writing never-ending stories“
Richtig spannend wird es allerdings bei den drei neuen Songs. At least I’ll try, The One und No one will ever know. The One – ein lockerer Sommerhit, bei dem man sich gerne an das Ufer eines Sees mit Freunden und Bier träumt. No one will ever know ist die größte Überraschung. Nachdenklich überzeugt der Song mit einem Text über Schicksal und Zufall, über Entscheidungen und den eigenen Weg, den ein jeder zu suchen hat. Er spricht genau das an, über was sich jeder mal irgendwann in einer abendlichen Stunde bei einem guten Glas Wein den Kopf zerbrechen mag. Ist das der richtige Weg? Ist es ein Wink des Schicksals oder doch nur Glück? Wie wird der Weg enden, den ich einschlage? Passend dazu der bluesige Sound, der das Lied schon ein bisschen zu einem kleinen Außenseiter auf dem Album macht, der sich jedoch positiv hervorhebt.

Ein gelungenes Re-Release Album, das jedoch durch den neu erlangten Feinschliff ein bisschen seine trashige Seite verloren hat. Ob es genauso einschlagen wird wie damals vor 13 Jahren bleibt abzuwarten.

„the way things may go, no one will ever know“

 

 


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