Frauen und kleine Schwarze

von am 06.01.2016

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, Leuten mit starren und festen Weltbildern und Meinungen dabei zuzusehen, wie jedes ihrer Argumente vom Pragmatismus der Realität in der Luft zerrißen wird. Bei den jüngsten Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof (Hbf – wie Bahnkenner und –liebhaber sagen) fühlte ich mich wie an einem Buffet im Paradies. Vor lauter Essen kriegte ich den Magen nicht voll. Daß die Rechten ihren blödsinnigen Senf dazugeben mußten, war ja klar, schließlich ist das ja ihre Hauptaufgabe in den heutigen Tagen. Interessanter fand ich da schon die Feministen, die größtenteils am liebsten „Schwanz ab!“ gerufen hätten und somit ähnliche Methoden wie Neonazis benutzen würden, um die Gesellschaft nach ihren Maßstäben und Vorstellungen sicherer zu machen. Was in Köln passiert ist, ist ohne jeglichen Zweifel schlimm und die Täter müssen bestraft werden, aber dies ist immer noch Sache der Exekutive und Judikative unseres Rechtsstaates.

Was jedoch der Hardcore-Feminismus immer wieder von sich gibt, ist durchaus unterhaltsam, weil da jemand den Unterschied zwischen Gleichheit und Gleichberechtigung nicht verstanden hat. Letzteres bedeutet lediglich, daß gleiches Recht für Verschiedenes gilt. Nach wie vor gibt es Ungleichheiten, wie zum Beispiel bei den Löhnen, doch im großen und ganzen kann die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts viele Erfolge vorweisen und die Gesellschaft in der westlichen Welt ist im Grunde sehr frauenfreundlich. Wie starr und totalitär der „Alle Männer sind Vergewaltiger“ Feminismus ist, wird spätestens dann klar, wenn Frauen sich bewusst für ein Leben zu Hause für die Familie entscheiden und sogar monogam leben. Auch dafür haben die Vorgänger der Feministinnen gekämpft: Für das Recht, sein Leben frei gestalten zu können. Ebenfalls schrecklich sind die Feministinnen, die meinen, daß Emanzipation vor allem im Bett stattfindet, und sich in dieser Weise auf Facebook profilieren („Ich bin eine Schlampe und stolz darauf!“ etc.) Gerne liken diese auch wirre Sextests und –listen von Cosmopolitan. Es handelt sich bei allem durch und durch um ein deutsches Phänomen: Man glaubt mit Vorschriften und moralischen Richtlinien Gleichheit erschaffen zu können.

Ähnliches Problem haben die überkorrekten Anti-Rassisten. Jährlich gibt es die Diskussion darüber, ob Sternsinger sich nun ein schwarzes Gesicht malen dürfen, oder nicht, da dies ja furchtbar rassistisch sei. Hier bedarf es knallharter Differenzierung. Rassismus liegt nur dann vor, wenn vorhandene schwarze Sternsinger bewusst ausgegrenzt werden. In vielen ländlichen Gegenden, wo der Brauchtum der Sternsinger wohl am weitesten verbreitet ist, muß jedoch in Ermangelung eines schwarzen Ministranten sehr oft ein Weißer dessen Rolle übernehmen. Die Frage, die sich dann stellt, ist, ob es dann rassistisch wäre, drei weiße Könige durch die Straßen ziehen zulassen? Und was wäre, wenn ein schwarzer Ministrant empört zu schimpfen beginnt: „Ihr Scheißrassisten! Immer zwängt ihr mir die Rolle des Schwarzen auf! Ich will doch viel lieber Caspar spielen!“ Verbietet man ihm dann das „Whitefacing“, da man wirklich zu jeder Zeit „No“ zu Rassismus sagt? Bei solchen Fällen sollte man ganz entspannt bleiben und gelassen reagieren. An dieser Stelle möchte ich den Leser in einen Exkurs der schlechten Wort- und Gedankenspielwelt entführen. Die Frage, die ich mir schon seit geraumer Zeit stelle, ist, wie man drei altkluge, aus Zentraleuropa stammende Männer, die ohne Eltern aufgewachsen sind, nennt. Die Antwort muß wohl die drei weißen weisen Waisen heißen.

Ob dies ein guter Abschluss für einen Text ist, in dem es über sexuelle Übergriffe, Sexismus und Rassismus geht? Dies möge jeder Leser für sich selbst entscheiden, denn zur Beantwortung dieser Frage habe ich keine Zeit, da mich das himmlische Buffet nach wie vor anlächelt.

 


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