Der ewige bayerische Grantler – Gerhard Polt wird 75

von am 07.05.2017

Wenn wirklich alle Bayern so wären, wie sie Gerhard Polt darstellt, ja, dann sähe es düster aus. Den ganzen Tag granteln und schimpfen, die Politik, die Wirtschaft, die Ausländer sowieso, nur man selber weiß eben wie der Hase läuft und wie er zu laufen hat. Was man heute mit dem Begriff „Wutbürger“ beschreibt, ist, wenn man Polt Glauben schenkt, eine bayerische Tradition.

Polt auf der Bühne. Vom spießigen Kleinbürger zum lauten Grantler.

Polt auf der Bühne. Vom spießigen Kleinbürger zum lauten Grantler.

Dabei schlägt er auch andere Töne an: Zu Beginn seiner Fernsehkarriere Ende der 70er spielt der 1942 in München geborene Polt vor allem stille, kleinbürgerliche Charaktere, die sich schwertun mit dem Wandel der Zeit. Sein Talent liegt dabei, gerade unscheinbare Aussagen komisch wirken zu lassen ohne dabei gezielt auf eine Pointe hinzuarbeiten. In der fast schon zu authentischen Wiedergabe der Charaktere liegt die Komik und das bringt gleich zwei Vorteile mit sich: Auf der Bühne steht nie Gerhard Polt selber. Er ist kein Moralapostel, der selber glaubt zu wissen, was man in der Politik und Welt besser machen könnte. Polt läßt die Charaktere sprechen und, nun kommen wir zum zweiten Vorteil, läßt den Rezipienten abschließend bewerten. Da mag es schon den ein oder anderen geben, der den Stammtischphrasen zustimmt und innerlich laut aufschreit: „Endlich sagt’s mal einer“. Andere amüsieren sich vielleicht, weil sie das Gerede nur allzugut kennen. Die Ambivalenz macht Polt so stark und mitunter genial.

Weltweisheiten aus der Sicht des kleinen Mannes, wie es im Kabarettsprech heißt, wirken besonders effektiv, gerade weil die Komik auf die Realität trifft. Denn Polt tut oft weh.

Ich bin ein Pazifist. Ich bin gegen den Krieg. Aber wenn einer von diesen Ausländern da meine Enkelin auch nur anrührt, den schieße ich über den Haufen, so was hat der noch nicht erlebt.

Eigentlich ist diese Aussage schockierender als sie komisch ist. Aber gerade weil hier ein Widerspruch des Gesagten vorliegt, wirkt sie komisch und dadurch besonders effektiv. Und während man noch über die anfängliche Gewaltverweigerung, die sich in starken Grenzen hält, wenn man persönlich betroffen wird, lacht, fällt einem im nächsten Moment ein, dass es tatsächlich diese Leute gibt und man sogar eine Person konkret im Kopf hat. In seinen langen Monologen entwickelt Polt Weisheiten wie „Wir ham heuer mal a Weltreise g’macht, aber i sag’s glei wie’s is: Da fahr ma nimmer hin.“ oder „Das war ein sehr erfolgreiches Jahr…zum Beispiel für’n Borkenkäfer.“

Gerhard Polt in "Kehraus"

Gerhard Polt in „Kehraus“

Unvergessen sind seine Auftritte mit der Biermösl-Blosn und in der ZDF-Satiresendung „Scheibenwischer“. Die Sendung über den umstrittenen Rhein-Main-Donau-Kanal wurde von der bayerischen Regierung kritisiert, der Vetternwirtschaft und Korruption auf humoristische Art vorgeworfen wurde. Für eine ZDF-Sendung wurden einige Passagen seines Manuskripts über CSU Politiker Friedrich Zimmermann von Redakteuren gestrichen. Aus Protest „schwieg“ Polt bei der Übertragung des Kleinkunstpreises. Bei der ersten Ausgabe des Scheibenwischers nahm er nochmal Bezug zu der Zensur, in dem er sagte „die Satire soll die Wirklichkeit nicht überzogen widerspiegeln“.

Zusammen mit seiner Filmpartnerin Gisela Schneeberger war Polt auch in mehreren Filmen zu sehen. „Man spricht Deutsch“ und „Kehraus“ sind Klassiker des deutschen humoristischen Films. Doch je älter er wird, desto mehr verkörperte er den alten Grantler und tourt immer noch fleißig durch den Freistaat, in dem er bis heute lebt. Am Schliersee hat er sein persönliches Glück gefunden, zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn.

Keiner hat das Bild des Bayern in Deutschland so geprägt wie Gerhard Polt – und vielleicht Franz Josef Strauß, aber der ist ja schon seit 1988 tot und Polt lebt. Mit 75 Jahren vielleicht sogar mehr denn je.


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