Der Ball ist rund und das Geld ist eckig

von am 21.05.2016

Das herrlich ironische am Fußball ist, daß ein Spiel, dessen Funktionalität von der Einhaltung des Regelwerkes abhängig ist und nur durch dieselbe gewährleistet werden kann, in seiner wirtschaftlichen Form des Profifußballs keine Regeln zu kennen scheint. Für einzelne Spieler beziehungsweise Arbeiter werden Millionensummen ausgegeben, nur um den Profit des eigenen Vereins noch weiter in die Höhe zu treiben. Daß Vereine Geld verdienen und sogar Profit machen ist nicht weiterhin schlimm; es geht lediglich um die Höhe der Beträge, deren Akkumulierung die Grenzen des Normalen schon lange überschritten haben.

Der Verein, er ist in erster Linie nichts anderes als ein schöneres Wort für Unternehmen, weil Verein primär nach Mitbestimmung klingt. Eine trügerische Illusion, denn im totalitären Kapitalismus ist die Mitbestimmung von Arbeitern nicht erwünscht. Nirgends wird der Kaderverein so sichtbar wie beim FC Bayern München: Die großen Führer Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß haben seit Jahrzehnten das Sagen und erinnern immer mehr an die alten Herren Podgorny, Breschnew und Kosygin. Sie geben die Linie des Vereins vor und stehen außer jeder Kritik. Selbst Verbrecher wie Hoeneß werden mit Handkuß wieder im Verein begrüßt und von den Fans verehrt, wie die Chinesen nach wie vor Mao Tse Tung verehren. Immerhin haben beide ja auch gutes geleistet. Doch auch bei anderen Vereinen ist das so, egal wie groß oder klein er auch im Profifußball sein mag. Borussia Dortmund und der Hamburger SV sind börsennotierte Vereine und die Anzahl der Vereine, die von reichen Oligarchen aufgekauft werden, steigt stetig.

Der Fußballspieler, als Arbeiter, ist der Spielball der Kapitalisten. Er leistet die Arbeit und ist die Ware zugleich. Die Kapitalisten sagen, der Mann im Trikot, das ist kein Mensch, das ist ein Profiterzeuger, und so haben sie sich mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, sie haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Spielern zu reden. Und natürlich kann er verkauft werden. Er verkauft seine Arbeitskraft an den Verein, der ihn wiederum entlohnt und für eine bestimmte Zeit behalten darf. Die Arbeitskraft des Spielers, also seine potentielle Arbeitsfähigkeit, bestimmt über die Entlohnung, selbst wenn er diese nicht einsetzt. Doch der Verein hat trotzdem ein großes Interesse an ihm, da er sonst seine Arbeitskraft der Konkurrenz zur Verfügung stellen kann. Auf dem Transfermarkt gelten keine Regeln, die Summen können beliebig hoch sein. Es ist ein moderner Sklavenmarkt auf freiwilliger Basis. Auch gibt es kein Kartellamt, das verhindert, daß einzelne Vereine durch die Akkumulation von Spielern den Wettbewerb kaputtmachen. Es kommt zur Oligarchie bis hin zur Hegemonie einzelner Vereine.

Der Fan ist letztendlich die dumme Sau. Zwar darf er den Arbeitern beim Einsetzen seiner Arbeitskraft zu sehen und empfindet dies als Spaß, jedoch muß er dafür zahlen. Da der Fan sich mit dem Verein identifiziert, bietet es sich für den Verein an, durch teures Merchandise und Eintrittskarten noch zusätzlich dazu zu verdienen. Das Paradoxe ist jedoch, daß in der Regel der Fan, trotz des Geldes, das er dem Verein in den Rachen schmeißt, auch das Treiben der Vereine nicht in Frage stellt, sondern sich nach Lust und Laune ausnutzen läßt. Er fordert kein Mitspracherecht, denn der Verein, ja der Verein der hat immer recht. Der Kaderverein kann sich auf die Verläßlichkeit des Fans verlassen, er wird sämtliche unpopuläre Entscheidungen hinnehmen und sogar verteidigen. Die Zeiten, in denen Fußball ein Ausdruck des Proletariats darstellt, sind lange vorbei. Es ist an der Zeit, daß der Verein wieder in die Hände der Fans, also den Proletariern, kommt und von ihnen geführt wird. Ohne Fans, kein Fußball. Ohne Fußball, kein Profit.

Vielleicht ist der Profifußball auch nur ein soziales Experiment, in dem die Folgen des freien Marktes und des totalitären Kapitalismus erforscht werden. Falls dem so sei, widerspricht sie der Philosophie des Sportes. Wettbewerb ist per se nichts schlechtes, jedoch müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Es ist ein System vorhanden, an das sich alle halten müssen. Nach einem Sieg kann eine Mannschaft nicht verlangen, anstatt der lausigen drei Punkte fünf zu erhalten, auch wenn sie besonders gut gespielt haben. Die Regeln verbieten dies. Die Qualität der Arbeitskraft ist irrelevant, solange man den Gegner schlägt. Regeln werden auch in der wirtschaftlichen Organisation der Ligen und Vereine nötig. Ablösesummen, Gehälter, Sponsorengelder: Es müssen Grenzen her, damit der Fußball spannend bleibt. Damit das so werden kann, müssen die Fans eingreifen. Fußballfans aller Länder, vereinigt euch! Es gilt eine Revolution zu erzwingen! Die konterrevolutionären Kräfte dürfen ihre gierigen Arme nicht weiter ausbreiten! »Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.«, sagte der französische Schriftsteller und Syndikalist Albert Camus. Was auf den Menschen und seinZusammenleben in diesem Zitat zutrifft, stimmt leider auch für die Kapitalisten: In einer freien Marktwirtschaft gibt es keine Moral und keine Verpflichtungen.

 

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