Atombombe auf Passau

von am 19.10.2017

Wer in seinem tristen Leben beschließt, Passau zu besuchen oder gar so verzweifelt ist und dort wohnen will, wird Selbstmörder verstehen lernen. Das trifft sich gut, denn bei den drei Flüssen, die sich bekanntlich durch die Stadt hindurchschlängeln, gibt es genügend Brücken, bei denen man dem Wunsch nach dem eigenen Exitus nachkommen kann. Immer wieder hört man junge schwangere Frauen hysterisch durch die Gassen schreien, dass sie abtreiben wollen, denn ihr Kind solle nicht an diesem Ort geboren werden oder gar aufwachsen. Das sind Szenen, die sich am besten mit dem aus sozialen Netzwerk bekannten Hashtag #justpassauthings beschreiben lassen.
Studenten besetzen die Stadt wie einst die Wehrmacht die Ostgebiete und verlassen nach abgeschlossenem Studium fluchtartig die Stadt, auch um ihre dort begangenen Schandtaten zu vergessen und irgendwo anderes ein neues Leben zu beginnen – eine Entpassauerifizierung gewissermaßen. Schade nur, daß Persilscheine so rar sind wie schöne Fleckchen in der Stadt. Wie viele Lebensläufe wurden schon verschandelt, weil auf dem unschuldigen weißen Blatt Papier der Name Passau wie ein Krebsgeschwür prangt?
Selbst der Natur wurde es zu bunt und versuchte selbst das Schicksal in die Hand zu nehmen und überflutete Passau. Doch die Passauer sind zäh und zum ersten Mal hielten Bevölkerung und Studenten zusammen.
Wie dem entfliehen? Was prophylaktisch machen? Die Lösung liegt nahe, wenngleich es viele nicht wagen auszusprechen, doch zu welchem Zwecke wurden atomare Sprengköpfe nun einmal entwickelt? Es ließe sich bestimmt vor der UN rechtfertigen. Ich habe ja gehört, daß die Universität heimlich an Massenvernichtungswaffen forscht. Auch ein Porträt von Kim Jung-un soll in so manchen Büros hängen. Ihr wißt also was zu tun ist!


Kommentare
  1. Der Semptpirat   On   20.10.2017 at 17:59

    Lieber Christoph,

    Schön, dass hier auch solche Artikel veröffentlicht werden. Nur bin ich leider davon überzeugt, ihn grundsätzlich zu kritisieren. Zunächst die Überschrift: Für mich eine klare Anspielung auf das Lied „Atombombe auf Deutschland“ der Antilopengang (Korrigiere mich, wenn ich falsch liege). Sie hat Lust gegeben, diesen Artikel zu lesen und hat damit ihren Sinn vollständig erfüllt. Das war es dann jedoch auch an positiver Kritik. Warum bringt bringt mich Passau, dazu meinen eigenen Exitus zu ersehnen? Vielleicht weil außerhalb von Altstadt und Veste nur lieblos seit Kriegsende Wohnsilos an Betonwüste hochgezogen wurden, die nur hie und da durch eine „Park“ genannte Grünfläche mit zwei Sträuchern und einem Baum aufgebrochen sind. Vielleicht, weil die Nahversorgung, abgesehen vom REWE am ZOB und dem Gewerbegebiet Richtung außerhalb, nur notdürftig durch kleine, heruntergewirtschaftete Läden in jenen Wohnsilos sichergestellt ist. Vielleicht, weil die Studierenden es nicht schaffen andere Einwohner durch ihren Lebensstil nicht zu nerven. Das Alles wären für mich, wenn witer ausgearbeitet, plausible Gründe, eine Polemik zu untermauern. Jedoch schaffst du es nicht, sinnvoll zu argumentieren und reihst lediglich humorvolle Abschnitte aneinander, die nach Austausch von einigen Schlüsselwörtern auf jede beliebige Studentenstadt in Deutschland anzuwenden wäre.
    Den Atombombenansatz der Überschrift greifst du im letzten Absatz wieder auf. Warum kommst du hier nicht auf die Möglichkeiten zu sprechen, die eine Atombombe auf Passau hätte? Ich denke an so etwas wie „Ein zweiter Bodensee, gefüllt mit dem Wasser von Donau, Inn und Ilz der nur zu Bayern gehört ist als touristisches Ziel weit wertvoller als diese triste Stadt und bringt auch der Region wieder einen wirtschaftlichen Vorteil. Der Antrag ist bereits bei der Staatregierung eingegangen.“

    Alles in allem ist dies ein meiner Meinung nach wenig gelungener Artikel und ich empfehle die Lektüre der folgenden Polemik über München: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/lebensgefuehl-muenchen-da-ist-keine-stadt-nirgends-1.3492547

    Gruß
    Der Semptpirat

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