A Comeback stronger than a 90s Trend: Taylor Swifts Album „evermore“

von am 18.01.2021

Sie hat es wieder getan: bereits im Juni veröffentlichte Taylor Swift völlig überraschend ein Album, welches sie nur wenige Stunden vor dem Erscheinen auf ihren sozialen Medien angekündigte. Die Fans, die gerade so die ausgefallene Tour für ihr Vorgängeralbum Lover verdaut hatten, sowie unzählige Kritiker waren überzeugt vom alternative-angehauchten Sound von folklore, der erneut eine völlig neue Seite von Taylors musikalischem Spektrum aufzeigte. Doch damit nicht genug, am 10.12.2020 kündigte sie ein weiteres Lockdown-Album namens evermore für den darauffolgenden Tag an.

Von Katharina Hofbauer

 

Taylor Swift und Aaron Dessner, Teil der Indie-Rock-Band „The National“ hätten nach der Zusammenarbeit für „folklore“ einfach nicht aufhören können, Songs zu schreiben – woraus das musikalisch ähnliche und ebenso erfolgreiche Schwesteralbum mit 17 neuen Songs entstand.

Experimenteller Sound und emotionale Texte

Taylor Swift erfand sich über die Jahre von der Country-Newcomerin über Pop zum wilden Sound von reputation mehrmals neu, so auch für die beiden Lockdown-Alben. War der Vorgänger ein erster Ausflug weg vom Mainstream-Pop zum Alternative-Genre, geht sie im aktuellen Album noch weiter jenseits der bekannten Wege. Die instrumentale Gestaltung ist gerade in Tracks wie „closure“ oder auch „long story short“ von scheinbar dissonanten Klangfolgen geprägt, die sich jedoch, je öfter man sie hört, immer besser in die Komposition einfinden und den emotionalen Gehalt der Texte verdeutlichen. Ähnlich verhält es sich mit dem namensgebenden Track „evermore“, auf dem sie zusammen mit Bon Iver das Ende einer Beziehung besingt. Man kann die Trennung nachfühlen, den tiefen Schmerz und die Ausweglosigkeit („I had a feeling so peculiar, that this pain would be for evermore“), bis der Song Fahrt aufnimmt, unruhiger wird und so die Bridge untermalt, die den Prozess des Verarbeitens und Akzeptierens der Trennung thematisiert. Zuletzt beruhigen sich die Akkorde und in einem Aha-Moment erkennt man: „this pain wouldn’t be for evermore“.

Kollaborationen mit The National und HAIM

Neben der Zusammenarbeit mit Bon Iver, die bereits auf folklore zustande kam, liefert auch dieses Album Kollaborationen, die sich hören lassen können. „coney island“, welches mit Dessners Band The National produziert wurde, besticht durch die Kombination von Swifts und Dessners Stimmen, untermalt durch die Begleitung der restlichen Bandmitglieder. Im Gegensatz zum eher ruhigen, melancholisch wirkenden „coney island“ steht „no body, no crime“ mit der Band HAIM. Die Schwestern steuern nicht nur die Background-Vocals bei, Este leiht ihren Namen sogar einer der Protagonistinnen des Songs. Musikalisch erinnert der Track an ihre Country-Ursprünge, der Text hingegen könnte auch als Plot eines True-Crime-Podcasts fungieren – besingt Taylor darin immerhin zwei Morde mit dem Credo: „no body, no crime“.

Die erwachsene Schwester von folklore

Swift bezeichnet das Album selbst als „Sister record“ zu folklore, was in vielerlei Sicht zutrifft, am meisten jedoch beim Inhalt der Songs. Im ersten Album des Jahres 2020 drehten sich die Erzählungen um High-School-Beziehungen und Liebesdreiecke. evermore hingegen ist erwachsen geworden, thematisiert unglückliche Ehen, verneinte Proposals und die Erkenntnis, dass sich die Gefühle für das Gegenüber zum Ende einer Beziehung nicht mehr rosarot verliebt, sondern nur noch akzeptiert und toleriert anfühlen

„I know my love should be celebrated, but you tolerate it.“

Ebenso würdigt sie in diesem Album ihre Großmutter Marjorie auf dem gleichnamigen Track, so wie sie es bereits für ihren Großvater gemacht hatte. „marjorie“ ist melancholisch-schön, wünscht sich eine verstorbene, geliebte Person zurück und stellt gleichzeitig fest: „what died didn’t stay dead, you’re alive in my head“. Man kann sich leicht in den Song hineinversetzen, gerade wenn man bereits ähnliches durchgemacht hat – vielleicht sogar im vergangenen, von Covid-19 geprägten Jahr. Swift besingt das Gefühl, dass ihre Großmutter immer noch bei ihr wäre, zu ihr rede und sänge – was die Verwendung des echten Gesanges Marjories als Background-Vocals noch bedeutungsvoller macht.

evermore knüpft in vielerlei Hinsicht an folklore an, ergänzt und erweitert es. Die Ups and Downs des Albums spiegeln sich im letzten Track „evermore“ wider, führen es zu einem runden Abschluss. In der Deluxe-Version schließt „it’s time to go“ noch deutlicher ab, was über die Zeit des turbulenten Jahres 2020 entstanden war. Für viele war deshalb der Jahreswechsel eine große Erleichterung, wir haben es geschafft, eigentlich kann es nur besser werden. Oder wie Taylor Swift sagen würde: „long story short, I survived“.


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